"Freue mich sehr darauf"
Daniel Spoerri, "Musée Sentimental"-Erfinder, wird die Schau "Grazgeflüster" mitgestalten.

Foto © APASpoerri
V erzeihen Sie, aber es wird Grazer geben, die mit Ihrem Namen nichts anfangen können. Wenn diese nun im nächsten Jahr die Ausstellung "Grazgeflüster" verlassen, was sollen sie im Idealfall mit Spoerri verbinden?
DANIEL SPOERRI: Das ist mir egal. Solange ihnen die Ausstellung gefällt, ist es gleichgültig, was sie von mir halten.
"Grazgeflüster" wird als Musée Sentimental stattfinden, das Sie in den 70er-Jahren erfunden haben. Was steckt dahinter? SPOERRI: Zuvor waren ja meine "Fallenbilder" eine Art Schnappschuss der Realität. Man hat etwas so fixiert, wie es vorgefunden wurde. Und damit hatte der Zigarettenstummel auf dem Tisch plötzlich dieselbe Bedeutung wie die goldene Uhr daneben. Diese Fallenbilder habe ich dann erstmals beim Musée Sentimental in Köln erweitert. Das heißt, man lernt die Geschichte einer Stadt nicht mehr über die üblichen historischen Urkunden kennen, sondern über persönliche Gegenstände und Erinnerungen.
Was ändert sich für den Besucher? SPOERRI: Geschichte wird für den Besucher erlebbar, weil es eine persönliche und emotionale Form einer Ausstellung ist. Die Graz-Ausstellung zum Beispiel wird die Leute in Linz wenig interessieren, die Grazer aber hoffentlich umso mehr. In Köln hatten wir 50.000 Besucher.
In Hinblick auf "Grazgeflüster" sind ja auch die Leser der Kleinen Zeitung eingeladen, mögliche Ausstellungsstücke und Anekdoten bereitzustellen. SPOERRI: Ja, und ich freue mich schon sehr darauf. Dieses Miteinander hat immer wunderbar funktioniert. Am Rande einer Ausstellung in Deutschland hat mich zum Beispiel eines Tages ein Pastor um sieben Uhr früh angerufen. Er meinte, er besitze das Nachthemd von Kaiser Wilhelm des Zweiten und fragte, ob mich das vielleicht interessiert.
INTERVIEW: M. SARIA
Features
Leser-Aufruf
Im März 2011 startet im Stadtmuseum die Schau "Grazgeflüster", die die Geschichte der Stadt über Objekte und Anekdoten erzählt.
"Kleine Zeitung"-Leser werden gebeten, Erinnerungsstücke (vorweg Fotos) und Anekdoten bereitzustellen - etwa zu den Themen "Stadtpark Hansi", Schlossbergkugeln, Märchengrottenbahn, Kastner&Öhler.
Fotos/Anekdoten an graz@kleinezeitung.at oder per Post an Kleine Zeitung, Schönaug. 64, 8010 Graz, Stichwort "Grazgeflüster".
















