Diese Ehe ist eine Baustelle
Eine kühne Idee und ein leeres Blatt Papier waren die Grundzutaten für das Wahrzeichen der WM 2013. Freitag wird der "Planet Planai" aus der Feder des Architekten-Ehepaares Hofrichter-Ritter eröffnet.

Foto © KanizajIm Hause Hofrichter-Ritter ist Kreativität ein kommunikativer Prozess - und macht augenscheinlich Spaß
Am Anfang kreativer Prozesse steht meist ein leeres Blatt Papier. Ein tückisches Requisit. Es wird stundenlang ratlos angestarrt, mit Kritzeleien verziert oder als Untersetzer fürs Kaffeehäferl missbraucht. Und nicht selten endet es zornig zusammengeknüllt auf letztem Höhenflug Richtung Papierkorb.
Gernot Ritter starrte nicht, kritzelte nicht und knüllte nicht, er bog. Nämlich das Blatt zu einer kühnen Kurve und der Planet Planai hatte seinen kreativen Urknall. Dabei war's eigentlich eher Zufall, dass sich der junge Architekt Gernot Ritter und seine Frau Veronika Hofrichter-Ritter - er aus Eisenerz, sie aus Salzburg und beide seit dem Studium in Graz daheim - an den Wettbewerb für den Neubau der Planai Talstation wagten. Man hatte Zeit und das nötige Selbstvertrauen, sich mit 60 Architekturbüros aus ganz Europa zu messen.
Das Architekturbüro, im Jahr 2003 gegründet, stand wirtschaftlich noch auf eher wackeligen Beinen und ein Wettbewerb kostet haufenweise Zeit und damit auch Geld - für das ist im Familienunternehmen Veronika zuständig. Gernot Ritter: "Das teilt sich bei uns super auf. Veronika macht die wirtschaftlichen Dinge, ich bin der Kreative." Stimmt freilich nicht ganz. Immerhin ist auch im Hause Hofrichter-Ritter die Kreativität ein kommunikativer Prozess. "Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, wie man der Planai ein neues Gesicht geben kann", umreißt Gernot Ritter den Werdegang des Planet Planai.
Eine Idee, drei Jahre Arbeit
Dabei kam das Blatt Papier ins Spiel und die Grundform war geboren. Gernot grinst: "Eine Idee, drei Jahre Arbeit." Teamarbeit versteht sich. Die erste Phase des Wettbewerbes war überstanden, und der Familienbetrieb Hofrichter-Ritter sprang ins kalte Wasser. Gernot Ritter: "Wir haben schon für die zweite Wettbewerbsphase sechs Mitarbeiter geholt und ich kann nur sagen, sie sind unglaublich wertvoll und nicht zu ersetzen." Nach dem Zuschlag wurden noch Peter Mandl als Statiker und die Jandl GmbH für die Kostenplanung ins Generalplanerteam geholt.
Der Planet Planai wird am Freitag eröffnet und ist im kreativen Kopf seines Schöpfers längst Geschichte. Aus dem Familienunternehmen ist ein etabliertes Architekturbüro geworden. 2011 werden die Ballsporthalle Liebenau und die Einsegnungshalle Steinfeld in Graz gebaut, 2012 startet der Bau der Olympiaschanze in Sarajevo. Und auch für die neue Fleckalmbahn in Kitzbühel hat das kreative Ehepaar den Zuschlag in der Tasche.
Ist es Zufall, dass sich so viele Projekte um den Sport drehen? Ritter lacht: "Ich bin selber ein paar Rennen gefahren und hab' gleich gewusst, dass ich's als Schifahrer nie zu einer WM schaffe. Da hab' ich mir gedacht, vielleicht geht's ja als Architekt."
Features
Zur Person
Veronika Hofrichter-Ritter wurde 1968 in Salzburg geboren, lebt und arbeitet mit Gernot in Graz
Architektur-Studium TU Graz, Diplom 1995
1991-1993 Mitarbeit im Büro Ökotekt, Graz
1996-1999 Mitarbeit/Ausbildung im Büro Arch. Meinhard Neugebauer, Bruck/Mur
seit 2000 Ziviltechnikerin
2000-2002 Studium Wirtschaftsingenieur Bauwesen/Projektmanagement TU Graz
Das Ehepaar hat drei Kinder im Alter von elf, acht und einem Jahr
Zur Person
Gernot Ritter wurde 1968 in Eisenerz geboren, wuchs in Knittelfeld auf, wo er 1987 maturierte
Architektur-Studium an der TU Graz, Diplom 1996
1992-1996 Lehraufträge am Institut für Hochbau
2000-2004 Assistent am Institut für Gebäudelehre und Wohnbau an der TU Graz
Seit 2002 Lehrtätigkeit an der FH-Joanneum Graz Architektur und Projektmanagement (APM)
2003 Gründung "HOFRICHTER-RITTER Architekten"
2005-2007 Vorstandsmitglied Haus der Architektur















