Helden von heute, auch melancholisch
Judith Holofernes bringt ihre "Helden" und ihr viertes Album am Sonntag nach Graz.

Foto © APAJudith Holofernes von Wir sind Helden
Zwei Jahre und zwei Babys Pause: War der Weg zurück ins Studio schwierig oder seid Ihr regelrecht hungrig gewesen?
JUDITH HOLOFERNES: Es war wirklich eine starke Sehnsucht da. Der schwierigere Punkt ist es wieder nach außen zu treten und sich diese Rolle des Musikers wieder überzustreifen.
Die Lieder des neuen Albums "Bring mich nach Hause" wirken wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Die Mehrheit der Titel sind aber melancholischer, düsterer als üblich. Warum?
HOLOFERNES: Uns hat der Erfolg anfangs so überrannt, dass keine Zeit für Nachdenklichkeit, Müdigkeit oder Traurigkeit blieb. Die hatte ich aber dafür in der Phase, in der ich die Texte fürs neue Album geschrieben hab'. Jetzt ist meine Gemütslage aber schon wieder ganz anders.
Lässt sich sagen, die "Helden" klingen reifer?
HOLOFERNES: Ja, aber das nächste Album kann dafür schon wieder krachiger, quietschiger und vergnügter klingen.
Nimmt man den Job als zweifache Mutter lockerer?
HOLOFERNES: Einerseits wird man lässiger, andererseits muss man gewisse Fragen ernster nehmen, wie etwa "Wie viel Energie hab' ich zur Verfügung und wo will ich die hineinstecken?" Mein Mann Pola und ich haben ja keine Pufferzonen mehr: Die Kinder fordern uns neben der Musik voll. Den Anteil an Sachen, die mir auf die Nerven gehen, hab' ich stark reduziert.
Ein Beispiel?
HOLOFERNES: Ach, irgendwelche Fernsehsendungen.
Castingshows?
HOLOFERNES: Damit hab' ich überhaupt kein Problem, nur mit Dieter Bohlen. Sehe ich Castingshows aus anderen Ländern, wo er nicht die Finger drinnen hat, wundere ich mich immer, wie unterhaltsam das sein kann. Dieser Demütigungseffekt wie bei Bohlen oder Heidi Klum scheint wohl was Grunddeutsches zu sein. Ich finde es übrigens großartig, dass es bei euren "Helden von morgen" 100.000 Euro zu gewinnen gibt und dazu keinen schlechten Plattenvertrag.
Features
Fakten
"Wir sind Helden": Sonntag, 20 Uhr, Orpheum Graz. Tel. (0 31 6) 871 871 11.
CD-Tipp: "Bring mich nach Hause". Columbia.















