Betroffenes Gedenken, aber auch eine frohe Feier
Vor zehn Jahren wurde den Grazer Juden eine Synagoge übergeben. Die Letzte war am 9. 11. 1938 zerstört worden.
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GRAZ. Eines Ereignisses wurde am Dienstagabend in der Grazer Synagoge gedacht, ein weiteres wurde gefeiert. Gedacht wurde der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der randalierende Nazihorden mit staatlicher Duldung auf ihre jüdischen Bürger losgegangen sind. In dieser "Reichpogromnacht" wurden im Deutschen Reich 400 Menschen ermordet oder in den Tod getrieben und über 1400 Betstuben und Synagogen zerstört. Auch jene von Graz.
Mit den Erinnerungen der letzten noch lebenden jüdischen Zeitzeugen wurde die Erinnerungsfeier eingeleitet: "Vor den noch rauchenden Trümmern sind die Leute gestanden und haben sich über die Juden lustig gemacht."
Schon früh wurde deutlich, dass nicht nur der NS-Apparat, sondern auch viele Grazer dazu beitragen haben, dass sich die Stadt im Mai 1940 rühmen konnte, als erste Großstadt der "Ostmark" judenrein zu sein. Es war eine Nacht der "staatlich gesteuerten Exzesse, die den Auftakt für die fabriksmäßige Vernichtung von Millionen Menschen bildete", hielt Ruth Yu-Szammer, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, fest.
Traurige Ereignisse und Feste
Gefeiert wurde aber auch. Und zwar die Übergabe der von den Architekten Jörg und Ingrid Mayr geplanten Synagoge am 9. November 2000 an die mittlerweile klein gewordene jüdische Gemeinde. Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, der Festredner des Abends, verquickte die beiden historischen Ereignisse mit dem Satz: "Juden eignen sich besonders, trauriger Ereignisse zu gedenken. Juden eignen sich aber auch besonders, Feste zu feiern. Beides wollen wir tun und betonen, dass wir nicht nur Opfer sind."
Die Frage nach der Möglichkeit einer Wiederholung von Geschichte griff LH Franz Voves auf, wenn er betonte: "Was Angst macht ist, dass die Nazis in einem der höchst entwickelten Länder der Erde ihre vernichtende Ideologie verbreiten konnten." Daraus schloss er: "Wir müssen wachsam sein."
Umrahmt wurde die Feier mit Ausschnitten aus Joseph Haydens "Schöpfung", dargebracht vom Chor "Skating Amadeus" unter der Leitung von Marguerite Dunitz-Scheer. In den Augen eines Mannes, der den "Tempel" 1938 brennen sah, traten Tränen, als der Jugendchor die Solisten mit den Worten ergänzte: "Es werde Licht!"

















