Dirigent der Vielheit im Grazer Künstlerhaus
Albert Mayr spielt im Grazer Künstlerhaus mit Massenmedien, Musik und Müll.

Foto © universalmuseum joanneum/n.lacknerAlbert Mayr alias Jonny Hawaii (35) im wild vernetzten Künstlerhaus
GRAZ. Chaos, so weit das Auge reicht: Albert Mayr, Musiker und Schüler von Peter Kogler an der Akademie der bildenden Künste Wien, hat im Grazer Künstlerhaus sein "Jonny Hawaii Orchester" installiert. Das Konzert, das der Niederösterreicher gibt, ist "ein Mix aus Büro, Bühne, Garten, Natur und Müllhalde". Hier ein Brunnen aus Elektroschrott, bei dem das Wasser über ausrangierte Computermonitore und Kühlschränke plätschert, dort eine rustikale Holzpalettenbühne samt Boxen für Live-Auftritte. Dazwischen ein Dirigentenpult, Notebook-Attrappen und ein Schlagzeug mit Spinnenbeinen.
Alles ist irgendwie mit allem vernetzt. Unendlich wie die Weiten des World Wide Web sind auch die Interpretationsmöglichkeiten und Zitate: Ein kleiner (defekter?) Fernseher, der nur noch eine Mittellinie ausstrahlt, verweist auf Nam June Paiks "Zen for TV" von 1963. Die unhierarchische Form der Präsentation erinnert an Gilles Deleuzes und Félix Guattaris Metapher des Rhizoms. In diesem offenen System "betreibt Mayr moderne Archäologie" ohne Führerschaft, schreibt Kuratorin Elisabeth Fiedler. Statt "Einheiten" werden "Vielheiten" übereinandergelagert.
Mayr thematisiert die rasante technische Entwicklung und spielt mit künstlicher Intelligenz sowie Massenmedien. Er errichtet begehbare Cyberwelten und dirigiert ein wild wucherndes Netzwerk aus Information und Sound, Kunst und Krempel. - Der virtuelle Raum hat sich im realen breitgemacht.
Albert Mayr. Künstlerhaus, Burgring, Graz. Bis 14. 11. Tel. (0316) 82 73 91















