Neuer Streit um Fische in Grazer Mur
Studie prophezeit ein Aussterben des geschützten Huchen, sollte Graz ein Murkraftwerk bekommen. Ein Gutachten der Projektwerber widerspricht der Studie.

Foto © NaturschutzbundDie Huchen-Population in der Mur könnte den Bau des geplanten Wasserkraftwerkes Graz-Puntigam nun doch zu Fall bringen
Es ist wieder einmal der berühmt-berüchtigte Huchen, der den Gegnern des Kraftwerksprojekts an der Grazer Mur neue Munition liefert. Seit Monaten schwelt ein Streit darüber, ob die geplante Staustufe in Puntigam den strömungsliebenden und unter EU-Schutz stehenden Fisch im Raum Graz aussterben lassen würde. Jetzt liefert eine fischökologische Untersuchung, die genau diesen Schluss nahelegt, neuen Zündstoff.
Wasserkraft-Kritiker
Autor ist der Grazer Zoologe Steven Weiss, bekannt als Wasserkraft-Kritiker und deklarierter Gegner der Mur-Staustufe in Graz. Im Auftrag der steirischen Umweltanwältin hat der international anerkannte Fischexperte den Bestand des Huchens untersucht. Sein Ergebnis: Der weltweit vom Aussterben bedrohte Fisch weise in der Grazer Mur eine selbsterhaltende Population auf, könne derzeit also auch ohne künstliche Bestandsstützungen überleben. Und: Das Kraftwerk der Energie Steiermark werde die Population "mit ziemlicher Sicherheit aussterben" lassen.
Insgesamt 71 Huchen hat Weiss zwischen der A 2-Brücke und Peggau identifiziert und genetisch untersucht. Lediglich vier davon seien künstlich ausgesetzte Besatzfische gewesen. Umweltanwältin Ute Pöllinger kann sich angesichts dessen nicht vorstellen, "dass das Projekt noch genehmigungsfähig ist". Die Ergebnisse aus Weiss' Untersuchung widersprechen allerdings einem Gutachten, das der Gewässerökologe Hans Sampl im Frühjahr für die Energie Steiermark erstellt hat. Demnach sei durch das Kraftwerk zwar "ein starker Rückgang der gesamten rheophilen (strömungsliebenden, Anm.) Fischarten" zu erwarten. Für den Huchen würde sich allerdings wenig ändern, da er "ohnedies in seinem Bestand von Besatzmaßnahmen abhängt".
Bei der Energie Steiermark kommentiert man die Uneinigkeit der Experten gelassen. Um das zu klären, gebe es ja ein laufendes Genehmigungsverfahren.
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Kommentar
Kraftwerksprojekt
Die geplante Staustufe ist eine Anlage einer Kette von fünf Laufkraftwerken im Raum Graz, wovon zwei in Planung (Gratkorn und Stübing) und zwei weitere (Gössendorf und Kalsdorf) bereits im Bau sind.
Bei allen fünf Projekten ist der Verbund Partner von Energie Steiermark. Gemeinsam will man rund 350 Mio. Euro in die Kraftwerkskette investieren.

















