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    Zuletzt aktualisiert: 23.10.2010 um 05:00 UhrKommentare

    Neo-Kulturlandesrat Buchmann im Interview

    Die Kulturszene hat ihn wieder. Landesrat Christian Buchmann über sein Comeback, seine Vorhaben und seine Weigerung, das Sparschwein als neues Maskottchen zu akzeptieren.

    "Wir werden den Treibstoff für jene Häuser, die wir besitzen wollen, auch weiterhin haben", so Buchmann

    Foto © Scheriau"Wir werden den Treibstoff für jene Häuser, die wir besitzen wollen, auch weiterhin haben", so Buchmann

    H err Landesrat Buchmann, willkommen zurück in der Höhle oder Hölle der Kulturlöwen. Ist Ihnen die Szene schon etwas abgegangen?

    BUCHMANN: Ich freue mich wirklich riesig, ich war ja auch nie wirklich weg, seitdem ich in Graz das Ressort zurückgelegt habe.

    Worin bestand die Präsenz?

    BUCHMANN: Es war mir auch nach 2003 immer ein großes Anliegen, den Geist des Kulturhauptstadtjahres weiterzutragen. Deshalb gibt es ja auch die Creative Industries, deshalb erfolgte die Bewerbung von Graz als City of Design und heuer haben wir ein Creative Lab ins Leben gerufen. Ich bin überzeugt, dass die Kreativwirtschaft eine enorme Chance ist, quer durch alle Kunstsparten. Ich will als Brückenbauer zwischen Kunst und Wirtschaft tätig sein, natürlich auf den Säulen der Innovation und der Kreativität.

    Ihr neues Maskottchen dürfte trotzdem das Sparschwein sein, mit dem Sie herumgehen. Wie lässt sich da politisch Neues gestalten?

    BUCHMANN: Ich kann Bestrebungen, alles über das Geld zu definieren, wenig abgewinnen. Wir müssen die Inhalte definieren. Und da müssen die Internationalität und die Integration in den Vordergrund gestellt werden.

    Bleiben wir noch kurz beim Geld. Sind Sie dem Ex-Finanzchef Buchmann böse, dass er dem nunmehrigen Kulturlandesrat Finanzen weggenommen hat?

    BUCHMANN: Das ist ein Irrtum. Ich habe dem Kulturlandesrat nie Geld weggenommen. Landeshauptmann Voves hat vor einem Jahr eine 25-prozentige Einsparung angekündigt, ich habe damals gesagt, dass das ein Ansatz ist, um die Ressorts nach Einsparungsmöglichkeiten suchen zu lassen. Aber ich halte nichts von linearen Kürzungen. Man soll sich vielmehr die Frage stellen: Wo sind die Zukunftsbereiche? Und da spielen Investitionen in die Bildung, in die Kultur, in die Forschung eine maßgebliche Rolle. Ich glaube nicht, dass es zu linearen Kürzungen kommt. Insgesamt gilt für alle Bereiche und Aufgaben: Fürchtet euch nicht!

    Worin besteht Angstlinderung?

    BUCHMANN: Darin, dass wir das Profil der Internationalität wieder schärfen. Wir waren schon viel internationaler. Das erfordert viel gemeinsames Nachdenken und Kontinuität.

    Speziell im kulturpolitischen Bereich wurde dies doch auch durch extrem häufige Amtswechsel verhindert. Hier fehlt es eindeutig an Kontinuität, offenbar auch an Persönlichkeiten, die sich profilieren können oder wollen.

    BUCHMANN: Zu einer Persönlichkeit definiert man sich nicht, dazu wird man auch nicht. Aber jeder sollte seine Chance haben, und ich bitte, dass sie auch mir eingeräumt wird.

    Zurück zu Ihrer Parole "Fürchtet euch nicht!": Die großen Kulturbetriebe sind ja durch langfristige Verträge relativ gut abgesichert, die Angst geht, wie fast immer, in der freien Szene, bei den kleineren Veranstaltern um.

    BUCHMANN: Mein Wort gilt für alle. Wir werden sicher nicht bei den sogenannten Kleinen zu sparen beginnen, weil da ja ohnehin wenig bis nichts zu holen ist.

    Als Kulturstadtrat setzten Sie die Evaluierungen durch. Ist Ähnliches auf Landesebene denkbar?

    BUCHMANN: Hier gibt es das Beiratssystem, zu dem ich eine sehr positive Einstellung habe. Aber wenn man dieses System hat, dann muss man es auch sehr ernst nehmen. Sicher genau anschauen werden wir uns die großen Gesellschaften und Festivals, die ja ohnehin evaluiert werden.

    Wie stehen Sie zu Neueinführungen wie der "regionale"?

    BUCHMANN: Positiv. Ich stehe für die Kultur des Ermöglichens und nicht des Verhinderns und sehe mich nicht als Intendant der Intendanten, sondern als Kulturpolitiker, der Kulturschaffende dazu anregt, in gewisse Bereiche stärker einzusteigen. Wir werden den Treibstoff für jene Häuser, die wir haben wollen, auch weiterhin besitzen. Aber ich habe wenig Lust, immer zuerst über das Geld und dann erst über Inhalte zu sprechen.

    Was war eigentlich Ihr jüngstes prägendes Kulturerlebnis?

    BUCHMANN: Klein, aber spannend: Ich habe im Grazer Raiffeisenhof das Kunstbad eröffnet und war sehr beeindruckt von der Performance. Das hat mich an frühere "herbst"-Veranstaltungen erinnert. Da ist etwas Frisches entstanden, mit enorm viel Drive.

    Ist das eine Kritik am jetzigen "steirischen herbst"?

    BUCHMANN: Nein, keineswegs. Aber ich würde mir manche Festivals eben gern internationaler vorstellen. Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum der Trigon-Gedanke gestorben ist. Der wäre aktueller denn je. Zum Beispiel, wenn Marburg 2012 Kulturhauptstadt wird. Auch da möchte ich Überlegungen anstellen, wie wir uns vernetzen und einbringen können. Ich bin ja ein Kind der Trigon-Veranstaltungen mit all der Aufbruchstimmung und Zusammenarbeit. Auch das verstehe ich unter Integration. INTERVIEW: WERNER KRAUSE, MICHAEL TSCHIDA


    Kommentar

    FRIDO HÜTTERDer Schianzug von FRIDO HÜTTER

    Fakten

    Christian Buchmann, geboren am 27. 11. 1962 in Graz.

    Studien der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Graz und Los Angeles.

    Ab 2003 ÖVP-Stadtrat für Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in Graz. Ab 2005 Landesrat für Wirtschaft, Innovation und Finanzen. Ab jetzt Landesrat für Wirtschaft, Innovation, Kultur.

    Landeskulturräte

    Hanns Koren war von 1957 bis 1970 die prägende Gestalt der Steiermark. Seine Nachfolger: Kurt Jungwirth (1970-91), Josef Krainer (1991-96), Peter Schachner-Blazizek (1996-2000), Gerhard Hirschmann (2000-03), Waltraud Klasnic (2003-05), Kurt Flecker (2005-09), Bettina Vollath (2009-10).

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