"Er ist halt nur ein bisschen anders"
Graz stand am Wochenende ganz im Zeichen des wilden Lebens. Die Wildstyle und Tattoo Messe hielt Einzug. Artistische Attraktionen und die weltbesten Tätowierer überzeugten.
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Die spärlich eingesetzte Deckenbeleuchtung lässt die Halle düster wirken. Skorpione mit riesigen Scheren treiben im weiten Areal ebenso ihr Unwesen wie Büffel mit mächtigen Hörnern. Eingestochen in die zweite Hautschicht von zumeist muskulösen Männeroberarmen oder filigranen Damenhälsen. So, wie es sich halt gehört für richtige Tätowierungen.
Warum man eigentlich der Natur einen Strich durch die Rechnung macht und sich etwas in die Haut stechen lässt, das jemanden in den allermeisten Fällen ein Leben lang begleitet, hat sich Jochen Auer schon öfters gefragt: "Man will zunächst anders sein, rebellisch sein, aus der Masse hervorstechen. Und irgendwann erkennt man die Kunst dahinter, der man nicht mehr abschwören kann." Der 38-Jährige organisiert die Wildstyle und Tattoo Messe, die im Moment durch ganz Österreich tourt, und gilt gleichzeitig als Begründer der Veranstaltung. An diesem Wochenende zog die weltweite Elite der Tätowier-Szene in die Grazer Helmut-List-Halle ein. Nach sieben Jahren Pause feiert die Messe heuer passend zum 15-jährigen Bestehen ein Comeback.
Die Zeiten haben sich in den eineinhalb Jahrzehnten nicht wirklich verändert. Die Tätowierten stellen nach wie vor ein gesellschaftliches Streitthema dar. Auch wenn sich zumindest der Umgang der Behörden mit den Ausstellern ein wenig gebessert hat. "Wir waren 1997 in Wels, da wurde noch jeder einzelne Stand von der Polizei abgefilmt. So etwas passiert heute nicht mehr. Trotzdem sind die Auflagen der Behörden oft horrend", seufzt Auer, wissend, dass seine Tätowierer alle Auflagen genauestens erfüllen.
Hundert Prozent Kunst
Wahrscheinlich hat die Skepsis von vielen Leuten auch damit zu tun, dass die Tätowierten selten dem Schönheitsideal der breiten Gesellschaft entsprechen. Besonders gut lässt sich das an ihrem Aushängeschild illustrieren. Lucky Rich Diamond, ein gebürtiger Australier, wird als der weltweit meisttätowierte Mann präsentiert. Lucky war einmal weiß, mittlerweile ist er schwarz. Seine Haut überfüllt mit Bildern, Schriften oder einfachen schwarzen Flecken. Auf der Messe greift er selbst zur Nadel ohne Faden und jongliert mit Motorsägen und Messern. Manche mögen ihn als verrückt bezeichnen, für Jochen Auer ist sein Star schlicht ein "wahnsinnig sympathischer und umgänglicher Kerl. Er ist halt nur ein bisschen anders."
Features
Fakten
Sie fand 1995 das erste Mal statt. Von 2003 bis 2010 gab es keine Veranstaltung. Weltweit ist dieses Format einzigartig.
60 Aussteller präsentieren Tätowierungen, Schmuck und Kleidung. 300 Personen arbeiten an dieser Messe aktiv mit.















