"Angerichtet": Steirischer Gastrokritiker mit Beislführer-Tagebuch
Wolfgang Kühnelt über die steirische Restaurantszene, Testessen, zusperrende Wirte und die eigene Befindlichkeit.

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Lokale, die schlecht sind, haben immerhin einen Vorteil: Sie geben eine gute Geschichte her. Dies ist zumindest dann der Fall, wenn Wolfgang Kühnelt der Autor ist. Dieser ist seit über drei Jahren als Restaurantkritiker der Wochenzeitung "Falter" in dessen Steiermark-Teil tätig. Sein Buch, das kürzlich unter dem Titel "Angerichtet" erschienen ist, ist aber keine Sammlung dieser Lokalbesprechungen, sondern sind eher Geschichten und Anekdoten darüber. Es darf also mit Lachen degustiert werden.
Kühnelt lässt im tagebuchartigen Stil die vergangenen drei Jahre seines Testessens Revue passieren. Die größten Highlights, die größten Fehlschläge und auch eine gewisse Routine und Fadesse, die sich beim Tester dazwischen immer wieder breitmacht, bleibt nicht ausgespart. Wenn er schreibt, wie er beispielsweise eine Plastikfolie aus einer Lasagne herausfischt, wenn seine Tochter in einem Gourmet-Klub die Nahrungsaufnahme verweigert, oder sein Restaurant-Fotograf Max wieder einmal die Flucht vor dem nicht wirklich geglückten Essen ergreift.
Im Großen und Ganzen freut sich Kühnelt aber, wenn er gegen Bezahlung essen gehen darf, und bleibt dabei einfallsreich. Man erfährt, wie Känguru oder Zebra munden, wie das Essen in einem "Sado-Maso-Kuschel-Hotel" so ist, und nebenbei schaute Kühnelt auch in der Kantine vom Grazer Bad Eggenberg vorbei. Aber nicht nur die Hallenschwimmergastronomie ist durch Abriss und Umbau verschwunden, auch ein Sternekoch im Ennstal, Didi Dorner, warf am Tag, als Kühnelt kam, das Handtuch. Nicht weil der Restaurantkritiker anrückte, sondern weil der Koch sich mit dem Vermieter verkracht hatte. Also kochte Herr Dorner für Herrn Kühnelt noch einmal groß auf und kehrte dann erst dem Ennstal den Rücken.
"Angerichtet" macht Lust
Fazit: "Angerichtet" macht Lust, in die Töpfe der Gastronomen zu schauen, manchmal jedoch hätte es der Leser wohl lieber, wenn die Töpfe für immer verschlossen bleiben würden. Damit man aber dann doch ins richtige Wirtshaus geht, hat der Autor am Ende des Buches seine Bestenliste abgegeben und auch einige Kollegen zu einem Restaurant-Voting gebeten. Folgt man dem Wegweiser, kann man nur im Guten überrascht werden.

















