Babyklappe und Extremliebe
Die Grazer Minoriten überraschen mit dem Schwerpunkt "Mutter". Die zentrale Schau präsentiert sich auf der Suche nach neuen Bildern frisch und berührend.
Ein dumpfer Klang und zu. Es dauert einige Sekunden, bis das Baby merkt, dass es alleine ist. Allein gelassen wurde. Während der Alltag in der Klinik weitergeht, erscheint das schreiende Kind auf den Monitoren. Draußen, auf der Babyklappe, steht: "Nur im Notfall öffnen!"
Das Kulturzentrum bei den Minoriten öffnet sich in seinem Herbst-Schwerpunkt dem Thema "Mutter" in Kunst und Literatur. Auf der Bildersuche für die gleichnamige Ausstellung begegneten Johannes Rauchenberger und Roman Grabner Mutterrollen zwischen Glück und Last, Verzweckungen durch Ideologien und Religionen sowie Debatten um Geschlecht und Human Design. Oder herzzerreißenden Situationen wie in der Videoinstallation der Schwedin Ann-Sofi Sidén, die eine Trennung an der Babyklappe eines Berliner Krankenhauses zeigt.
Daneben wurde der Blick der Kuratoren immer wieder auf ein Motiv gelenkt, das in der Kunst ziemlich lange inspirierend war, wie Rauchenberger sagt: jenem der Madonna mit Kind. "Kann seine Schönheit gerettet werden, ohne vor Kitsch zu triefen?", fragt der Minoriten-Leiter in der Ausstellung, die nur auf den ersten Blick wie aus heiterem Himmel daherkommt und mit Arbeiten von 25 Künstlerinnen und Künstlern tief in die fundamentalen Bereiche unseres Lebens eindringt.
"Ich habe das Kind einfach nicht gesehen", sagt etwa die in Mailand lebende Deutsche Julia Krahn beim Rundgang durch die Schau. Ihre Arbeit "Mutter" (2009) zeigt die Künstlerin als Madonna ohne Kind und behandelt den Verlust der klassischen Familie. Valie Export tauschte das Kind auf dem Schoß Marias in feministischer Manier gegen einen Staubsauger ("Erwartung", 1976), in Ulrike Rosenbachs Video "Mutterliebe" (1978) sieht man den Kopf eines Kindes, der immer und immer wieder geküsst wird, bis er feuerrot ist. Für Siegfried Anzinger wiederum war die "Felsgrottenmadonna" (1997) einfach Mittel zum Zweck. Hier gibt es keine Priorität der Figuren und Geschichte, sondern nur die pure Lust der Malerei.
Parallel zur Ausstellung erscheint das Themenheft "Mutter Unser". Literarisch geht es am 22. Oktober weiter: Tote Autoren stellen sich lebenden im Voting.
Mutter. Minoriten, Mariahilferplatz 3, Graz. Eröffnung: Heute, 19.30 Uhr. Schau bis 12. 12. Tel. (0 31 6) 71 11 33
















