Kommt Drexler statt Edlinger-Ploder in die Regierung
Seite an Seite in der ÖVP: Christopher Drexler ist seit April 2003 Klubobmann, Kristina Edlinger-Ploder seit dem selben Tag Landesrätin. Ist es Zeit für einen Rollentausch?

Foto © ScheriauChristopher Drexler und Kristina Edlinger-Ploder
Vertrauen ist ein wenig wie Schwangerschaft - halbschwanger gibt es nicht. Genau dieses Problem überschattet die seit einer Woche laufenden Verhandlungen von SPÖ und ÖVP zur Regierungsbildung: Man will zwar miteinander, weil es aufgrund des Wahlergebnisses am sinnvollsten scheint, aber keiner traut dem Frieden so recht. Die größte Verunsicherung hat die ÖVP befallen, denn selbst hat man keine mehrheitsfähige Alternative zur SPÖ. Die SPÖ dagegen hätte diese Möglichkeit zusammen mit der FPÖ - und das magerlt die Schwarzen. Jüngste Verschwörungstheorie: Am Montag, einen Tag nach der Wiener Wahl, werde SPÖ-Chef Franz Voves die rot-blaue Karte ziehen.
Das wäre verhandlungstaktisch zwar möglich, allerdings nur, wenn Voves am Ende der Tage bereit ist, diese Karte auch auszuspielen. Daran darf aufgrund des Milliardenlochs bei den Landesfinanzen gezweifelt werden. Voves ist bei den Verhandlungen dennoch in der angenehmeren Situation als VP-Gegenüber Hermann Schützenhöfer. Dieser kann zwar zu Recht darauf verweisen, dass er von allen schwarzen Landesparteien, die seit 1945 den Landeshauptmann verloren haben, seither das mit Abstand beste Ergebnis hatte - im Burgenland ist die ÖVP 13,7 Prozent hinter der SPÖ, in Salzburg 2,9 und in der Steiermark 1,1 Prozent.
Chor der Kritiker
Kaufen kann sich Schützenhöfer da für aber nichts. Er hat deshalb nur ein einziges Interesse - einen möglichst schnellen Abschluss der Verhandlungen. Denn je länger es dauert, umso lauter wird intern der Chor der Kritiker und Besserwisser. Er kann dagegen nur eines tun - ein personelles Signal in der Führungsmannschaft setzen, sonst könnten die Personalspekulationen rasch ihn selbst erreichen.
Eine Variante, die ernsthaft zur Debatte stand, wurde - zumindest offiziell - abgesagt: Landes-Bauernbundchef Gerhard Wlodkowski ließ wissen, dass er bei der Kammerwahl im Jänner wieder als Präsident kandidieren werde. Es stand ja im Raum, Wlodkowski könnte sich auf seine Funktion als Präsident der Österreichischen Landwirtschaftskammer konzentrieren, damit wäre der steirische Posten für Landesrat Hans Seitinger frei geworden. Und somit die Möglichkeit, dass der Bundeschef des Bauernbundes, Fritz Grillitsch, endlich auf seine Wunschposition kommen könnte, in die steirische Landesregierung.
Kopfzerbrechen über Edlinger-Ploder
Da die Bauern diese Diskussion ruhend gestellt haben, wird wieder mehr über den Wirtschaftsbund geredet. Hier hat Christian Buchmann das Heft in der Hand, ist aber kein charismatischer Führer. Die bereits im Wahlkampf laut gewordene Kritik, wo denn die Wirtschaftspartei ÖVP geblieben sei, ist seit der Kritik des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl wieder hörbar lauter geworden. Sofort wurde darüber spekuliert, ob nicht der Direktor der Wirtschaftskammer, Thomas Spann, für neues Blut in der schwarzen Regierungsmannschaft sorgen sollte und Buchmann in seine alte Heimat Kammer zurückwechseln könnte.
Aber auch über die einzige Frau in der VP-Mannschaft, Kristina Edlinger-Ploder, wird nachgedacht. Und zwar im Zusammenhang mit der Ressortverteilung: Sollte der Verkehr etwa an FP-Chef Gerhard Kurzmann gehen, wäre Edlinger "frei". Ein Wechsel ins Bildungsressort - derzeit SP-Landesrätin Elisabeth Grossmann - wäre eine Variante, hier steht allerdings auch Landesschulrats-Vizepräsidentin Elisabeth Meixner zur Debatte.
Eine andere Spekulation beschäftigt sich mit einer spannenden Rochade: Edlinger übernimmt die Führung des Landtagsklubs, weil die Zeiten des täglichen Kleinkriegs mit der SPÖ momentan beendet sind. So könnte der auch in der eigenen Partei wenig beliebte, aber intellektuell und strategisch brillante Christopher Drexler in die Regierung wechseln.
Oder Schützenhöfer wählt die Minimal-Variante für ein personelles Signal und sucht für den zum Landtagsabgeordneten aufgestiegenen Landesgeschäftsführer Bernhard Rinner einen geeigneten Ersatz.
















