Zehn Monate Haft für Alko-Lenker: Opfer verlor Bein
Ein 28-jähriger Bosnier ist am Dienstag am Straflandesgericht Graz zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hatte mit 2,5 Promille einen Unfall verursacht, bei dem das Opfer das Bein verlor.

Foto © Helmut Weichselbraun/Sujet
Die Verhandlung beginnt mit einer Komplikation. Der Angeklagte, ein 28 Jahre alter Bosnier, der seit sechs Jahren in Österreich lebt, versteht kein Deutsch. Staatsanwalt Florian Farmer bietet einen Rechtspraktikanten mit Migrationshintergrund an, den man schnell vereidigen könnte.
Der Verteidiger klemmt sich hinters Telefon und versucht, einen professionellen Dolmetscher aufzutreiben. "Obwohl: So viel versteht mein Mandant schon. Und er ist ohnehin voll geständig."
Es hilft nichts. Richterin Michaela Lapanje muss sicher gehen, dass der Angeklagte alles und alles ganz genau versteht. Zum Glück eilt bald eine Dolmetscherin herbei.
Und so versteht der Angeklagte, was Ankläger, Zeugen und Opfer sagen: dass er in der Nacht auf den 6. Juni in der Grazer Kärntnerstraße ungebremst auf einen abgestellten Pkw aufgefahren ist. Dass dieses Auto mit Warnblinkanlage gesichert war. Dass er fast 2,5 Promille hatte. Dass seinem Opfer, einem deutschen Studenten, der zwischen den Autos eingequetscht wurde, das linke Bein oberhalb des Knies abgetrennt wurde.
"Acht bis zehn Bier"
"Acht bis zehn Bier" hatte der Fahrer intus. "Es waren nur 500 Meter bis zu meiner Wohnung." 500 Meter zu weit. Die Enge des Saales bringt es mit sich, dass er fast neben seinem Opfer sitzen muss. Der junge Mann ist von der Reha aus Deutschland angereist. Er trägt eine Prothese.
Staatsanwalt Florian Farmer fordert vor dem Urteil als Zeichen "gegen den Alkoholwahnsinn auf den Straßen" eine strenge Haftstrafe. Der Verteidiger plädiert für Milde und eine Fußfessel. Und irgendwie klingt das deplatziert.
Zehn Monate Haft (noch nicht rechtskräftig) werden es schließlich. Das ist relativ viel. Oder relativ wenig.
















