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Zuletzt aktualisiert: 01.10.2010 um 21:16 UhrKommentare

Franz Küberl über sein neues Buch

Am Montag stellt Caritas-Präsident Franz Küberl sein neues Buch vor. Trotz Wirtschaftsaufschwung glaubt er nicht an das Ende der Armut in Österreich.

Franz Küberls Gedanken zur Armut gibt es nun auch im Buchformat - aufgezeichnet von Barbara Toth

Foto © PrivatFranz Küberls Gedanken zur Armut gibt es nun auch im Buchformat - aufgezeichnet von Barbara Toth

Herr Präsident, der Titel Ihres neuen Buches lautet "Mein armes Österreich - und wie es reicher sein könnte". Wo ist Österreich reich, wo ist es arm?

FRANZ KÜBERL: Österreich ist überwiegend ein wohlhabendes Land. Aber es gibt auch Situationen, in denen Menschen von Armut, Not und Einsamkeit betroffen sind oder mit schwierigen Lebensumständen zu kämpfen haben.

Die Krise scheint überwunden zu sein. Die Arbeitslosigkeit ist in der Steiermark um 16,9 Prozent gesunken, auch die Wirtschaftsexperten gehen von einem zweiprozentigen Wirtschaftswachstum aus. Ist das das Ende der Armut?

KÜBERL: Die entscheidende Frage ist natürlich, ob es genügend Arbeit gibt. Ich bin heilfroh um jeden, der nicht mehr arm ist. Dennoch dauert der Rückbau von Armut. Ich gehe davon aus, dass es drei Jahre dauert, bis wir das Vorkrisenniveau erreicht haben.

Sie waren für Ihr Buch in ganz Österreich unterwegs. Gibt es Unterschiede in der Armut?

KÜBERL: Durch die Krise ist Armut bis in den unteren Mittelstand vorgedrungen. Fragen wie: "Kann ich mit meinem Einkommen noch meine Wohnung bezahlen?" - "Kann ich damit noch leben oder nur überleben?" - oder: "Wie sicher ist meine Arbeit noch?" tauchten auf. Die Auslöser von Armut sind aber immer die gleichen: Arbeitslosigkeit, geringes Einkommen, explodierende Kosten - Stichwort: Wohnung, Bildung, Gesundheit. Dazu kommen körperliche und seelische Überforderung, körperliche Gebrechen und Akutsituationen wie Scheidung. Die Sinnhaftigkeit des Lebens wird damit porös und brüchig. Fällt ein Dominostein, fallen alle . . .

Die Sozialkosten steigen. Ist das für die öffentliche Hand noch bewältigbar?

KÜBERL: Es geht um die Solidarität der gesamten Gesellschaft. Wir sind ein wohlhabendes Land. Was die Finanzierung selbst betrifft, muss man sich bestimmt die Finanzströme anschauen.

Und was sagen Sie zur Transferdatenbank?

KÜBERL: Transparenz und Überblick sind sicher gut. Doch es darf nicht auf dem Neidklavier gespielt werden. INTERVIEW: MONIKA SCHACHNER


BUCHPRÄSENTATION

Caritas-Präsident Franz Küberl stellt sein Buch "Mein armes Österreich - und wie es reicher sein könnte" (Verlag Ueberreuter) am kommenden Montag, dem 4. Oktober, um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Moser in Graz vor. Einlass ab 19 Uhr. Eintritt frei.

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