Nur jedes Fünfte hat einen Platz
Die EU fordert: Ein Krippenplatz für jedes dritte Kind. In Graz kommt gerade einmal eins von fünf Kindern zum Zug. Eine Bestandsaufnahme.

Foto © APKinderkrippen sind in Graz noch Mangelware
Sag' mir, wo du wohnst, und ich sag' dir, wie dein Kind betreut wird! Wenn man sich die Grazer Krippen quer durch alle Bezirke ansieht und mit den gemeldeten Kindern zwischen null und drei hochrechnet, ist die Bilanz - trotz neuer Krippen - ernüchternd. Nur jedes fünfte Kind hätte in einer der städtischen Krippen einen Platz.
Erst wenn man die 349 Plätze bei allen Tagesmütter-Vereinen (Stand 2009) sowie zwei weitere Einrichtungen dazuzählt, steigt die Zahl auf 26 Prozent. Zu wenig, befindet die EU und fordert bis zum Jahr 2013 eine Deckung von 33 Prozent. Würde heißen: ein Krippenplatz für jedes dritte Kind. "Es fehlen noch 500 Krippenplätze", sagt der zuständige Stadtrat Detlev Eisel-Eiselsberg (ÖVP). Zwar hat er die Plätze zuletzt verdoppelt, aber er räumt trotzdem ein: "Ja, es gibt noch Handlungsbedarf."
Die Problemviertel
Die Versorgungsverlierer sind Bezirke wie Ries, St. Peter oder Waltendorf (siehe Grafik). Auch im kinderreichen Lend liegt die Deckung mit 162 Plätzen für 913 Kinder bei 17 Prozent. Warum dieser Unterschied? Historische Entwicklungen wie Zuzüge oder bewusste Standortwahl von Trägern, so der VP-Stadtrat. "Im Vergleich zu anderen steirischen Gemeinden steigt Graz ja noch gut aus", sagt Ines Mirkovic von der Grazer Kinderdrehscheibe. "Mithilfe der Tagesmütter wird der Bedarf recht gut gedeckt." Ohne Tagesmütter und flexible Einrichtungen ginge es nicht. Man verweist gerne auf die Wahlfreiheit der Eltern. Eine betroffene Mutter sieht das anders: "Ich hätte mir schon ein Jahr im Voraus einen Krippenplatz sichern müssen. Damals war meine Tochter fünf Monate alt. Das ist so aber nicht planbar." An Flexibilität hapert es in Krippen. Die Plätze gibt es in der Regel für fünf Tage die Woche. "Solange wir nicht 100 Prozent Deckung haben, werden Berufstätige und Alleinerziehende bevorzugt."
Wer auf flexible Einrichtungen zurückgreift, zahlt drauf. Eisel-Eiselsberg will in den nächsten Jahren "finanziell gegensteuern", um Bezirke aufzustocken.
Features
Zahlen
20 Prozent schaffen die Grazer Krippen. Mit Tagesmüttern sind es 26.
17 Gruppen der 110 Grazer Kinderkrippen haben halbtags geöffnet. Der Rest ganztags.

















