KPÖ: Geschrumpft und trotzdem glücklich
Der Wiedereinzug geriet zur Zitterpartie. Dass er aber ohne Kaltenegger gelang, zählt für die KPÖ mehr als der Verlust von zwei Mandaten.

Foto © Marija KanizajKPÖ-Spitzenkandidatin Claudia Klimt-Weithaler mit KPÖ-Zugpferd Ernest Kaltenegger
Ein Detail lässt die Kommunisten schmunzeln: Spitzenkandidatin Claudia Klimt-Weithaler gab ihre Stimme in einem Gasthaus ab, und zwar im Gasthaus "Zur Endstation" in Graz-Liebenau.
Ein Omen? Die ersten Ergebnisse kurz nach 14 Uhr sorgen tatsächlich für bange, nachdenkliche Mienen: "Wir werden halbiert und die Blauen legen massiv zu", fasst ein Mitarbeiter im Landtagsklub zusammen. Es sind jedoch erst Landgemeinden ausgezählt, die Städte, vor allem die obersteirischen "Hochburgen", kommen erst. Die Entscheidung, ob die KP weiter im Landtag vertreten sein wird, fällt spät, nämlich erst in der Landeshauptstadt.
"In Hochstimmung sind wir nicht, es wird eine Zitterpartie", beantwortet Klimt-Weithaler die ersten Fragen. Noch vor einem Jahr hatte das Ziel gelautet, politisch zu überleben. Zuletzt traute sich die KPÖ aber sogar eine Wiederholung des Ergebnisses von 2005 mit Zugpferd Ernest Kaltenegger zu. Davon ist nun keine Rede mehr. Kaltenegger analysiert die Ergebnisse der Gemeinden gestern dennoch entspannter als vor fünf Jahren: "Damals hätten wir uns über diesen Zwischenstand gefreut, aber jetzt liegt die Latte hoch für uns."
Das Abschneiden der KP ist durchwachsen. In Mellach sackt die Partei von 8,7 auf 3,4 Prozent ab, und dieses Beispiel ist kein Einzelfall. Doch je länger der Nachmittag, desto höher die Prozente. Hinter Altaussee, Zeltweg, St. Stefan ob Leoben, Knittelfeld und noch anderen Gemeinden steht ein Plus, anderswo hält sich das Minus in Grenzen. Und manchmal werden neue Wähler sogar mit Jubel begrüßt: "In Bairisch Kölldorf haben wir eine Stimme gewonnen!" Interne Hochrechnungen zeigen die KP einige Zeit Kopf an Kopf mit den Grünen. Der Wiedereinzug wird immer wahrscheinlicher, bereits sicher ist der Mandatsverlust.
Das Warten zehrt an den Nerven von Klimt-Weithaler, zum ersten Mal auf einem ersten Listenplatz. Sie stärkt sich mit einem Energydrink. "Ist das mühsam", entfährt es ihr.
Die Proteststimmen, die Kaltenegger 2005 auch in den kleinen Gemeinden sammeln konnte, wandern zur FP. Der blaue Gewinn verstört die Kommunisten. Letztlich überwiegt die Freude über das sich abzeichnende Ergebnis von vier Prozent plus. Es sei mehr wert als das der letzten Wahl, als FPÖ und BZÖ sich aufrieben und geschwächt in den Ring stiegen. Auch fiel Kaltenegger weg, und die Wahl der anfangs unbekannten Klimt-Weithaler zur Frontfrau habe sich als richtig erwiesen. "Sind wir im Landtag, stabilisieren wir uns. Jetzt kriegt uns da keiner mehr so schnell hinaus", ist Wahlkampfleiter Philipp Funovits sicher.


















