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Zuletzt aktualisiert: 25.09.2010 um 22:30 UhrKommentare

Der steirische Wahlkrimi strahlt bundesweit aus

Werner Faymann und Josef Pröll brauchen am Sonntag einen Erfolg in Graz, um ihre Stellung nach innen und außen zu stärken. Auch für die Opposition wird die steirische Wahl zum Lackmustest.

Für wen öffnet sich das Tor in den Landtag?

Foto © Jürgen FuchsFür wen öffnet sich das Tor in den Landtag?

Werner Faymann auf dem Grazer Schlossberg, Josef Pröll in der Innenstadt: Freitagnacht warfen die Regierungsspitzen noch einmal ihr ganzes persönliches Gewicht in die Waagschale, um den zu Ende gehenden steirischen Landtagswahlkampf in ihrem Sinne zu drehen. Pröll war sogar mit den Ministerinnen Beatrix Karl und Maria Fekter erschienen, um den steirischen ÖVP-Spitzenkandidaten Hermann Schützenhöfer zu zelebrieren. Faymann streute dem früher gerne verschmähten SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves jede Menge Rosen.

Historischer Zweikampf

Dass Kanzler und Vizekanzler an vorderster Front mitmischen, ist verständlich. Schon unter normalen Umständen wäre der Posten des Landeshauptmanns im zweitgrößten Bundesland eine politische Trophäe von allerhöchster Symbolkraft. Diesmal aber ist der Zweikampf geradezu historisch aufgeladen. War die erstmalige Eroberung der vermeintlichen ÖVP-Erbpacht durch Voves vor fünf Jahren nur ein kurzzeitiger Betriebsunfall oder der Beginn für ein sozialdemokratisches, steirisches Jahrzehnt? Diese Frage werden die 967.000 Wähler im Land an der Mur am Sonntag klären.

Das etwas größere Risiko trägt in diesem Duell die SPÖ: Verliert sie die Steiermark, hat sie kurz vor der wichtigen Wiener Landtagswahl eine veritable Führungskrise zu meistern. Voves würde dann sofort zurücktreten, die SPÖ wäre um eine wichtige Symbolfigur ärmer und für Faymann würde es in den eigenen Gremien sehr eng. Denn die Partei hat unter seinem Vorsitz bisher bei Landtagswahlen nur Niederlagen erlebt, zuletzt besonders schlimm mit minus 13,4 Prozentpunkten in Oberösterreich.

Das Loch verkleinern

Die ÖVP wiederum zieht ohnedies nur mit gedämpftem Optimismus in die heutige Schlacht um Graz. Dass man es fünf Jahre lang geschafft hat, wenigstens mit Voves auf Tuchfühlung zu bleiben, wird bei den früher so stolzen Landesschwarzen bereits als Erfolg gewertet. Von der Rückeroberung des Landesthrons träumt man zwar, sie ist aber keine ultimative Forderung.

Wird am Sonntag das Drei-Prozent-Loch zur SPÖ wenigstens verkleinert, dann dürfte die parteiinterne Unruhe überschaubar bleiben. Wird aber Schützenhöfer geschwächt, dann knackst es auch im Gebälk der VP-Bundeszentrale in der Wiener Lichtenfelsgasse. Josef Prölls Bild hat zuletzt Kratzer bekommen, der Vorsprung in den Umfragen ist dahin. Im labilen Kraftfeld der VP-Granden braucht Pröll den Steirer als Bundesgenossen.

Beide Regierungsparteien rüsten zudem für eine erbitterte Budgetschlacht und könnten Rückenwind aus Graz dringend brauchen. In gewissem Sinn werden am Sonntag die ersten Geschütze für die spätherbstliche Haushaltserstellung aufgefahren.

Aber auch die restlichen Parteien können die steirische Wahl nicht einfach als regionales Ereignis abtun. Die FPÖ braucht so kurz vor der Wiener Wahl einen empirischen Beweis, dass Heinz-Christian Strache noch über seine alte Strahlkraft verfügt. In der Steiermark ist man freilich in der komfortablen Lage, nur gewinnen zu können. Man startet vom niedrigsten Level der letzten 36 Jahre, weil es 2005 nach der orange-blauen Parteispaltung ein veritables Desaster samt Abschied aus dem Landtag gab. Der Wiedereinzug scheint sicher, für einen Landesratsposten braucht man aber Glück.

Achse von Wien nach Graz

Bei den Grünen verkörpert der altgediente Parlamentarier Werner Kogler die enge Verbindung zwischen Graz und Wien. Scheitert Kogler an seinem hohen Anspruch, noch vor der FPÖ auf Platz drei zu landen, dann wird das den bisher glücklosen Wiener Wahlkampf der Grünen nicht beflügeln. Für die schon angezählte Parteichefin Eva Glawischnig wäre es ein Geschenk des Himmels, könnte sie die aufkeimende Van-der-Bellen-Nostalgie mit einem Vorzeigeerfolg in der Grünen Mark ersticken.

Das BZÖ kämpft in Graz ebenso ums Überleben wie dessen Spitzenmann Gerald Grosz, der gegen alle Wahrscheinlichkeit an seinen Einzug in den Landtag glaubt. Plausibler scheint, dass sich die KPÖ unter ihrer neuen Frontfrau Claudia Klimt-Weithaler passabel schlägt - und damit ihre einzige Bastion verteidigt.

ERNST SITTINGER

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