Auf der Suche nach dem alten Glanz
Die barocke Basilika des Stifts Rein dominieren derzeit Gerüste und Baustellenlärm. Die Restaurierung war dringend notwendig.

Foto © Jürgen FuchsDie Restaurierung von Rein ist im Gange und dringend nötig
In schwindelerregenden 18 Metern Höhe über dem Kirchenboden schweben nicht nur goldüberzogene Engel aus Holz. Auch August Janisch, Pater August im Zisterzienserkloster, huscht wieselflink über knarrendes Holz und metallene Leitern. Die schwarze Kutte des Ordens weht hinter ihm her. "Seit 1766 ist hier noch nie ein Gerüst gestanden", sagt er und breitete die Arme aus. "Kein Mensch war seither hier oben."
Jetzt wird hier, dem Himmel ein Stückchen näher als auf dem Boden, im Inneren der Basilika des Stiftes Rein, harte Feinarbeit verrichtet.
Dafür ist aufwendige Gerüsttechnik, sind viele speziell ausgebildete Fachkräfte nötig. Denn die Zeit hat auf Wände und Decken einen zähen Mantel gelegt. Zentimeterdicker Staub muss entfernt werden, abstehendes Blattgold muss vorsichtig wieder angebracht, der alte Glanz von den Spuren der Jahrhunderte befreit werden.
"Ein Mäusemelken" sei das, sagt Pater August und hält einen abgebrochenen Finger an die dazugehörende Heiligenstatue. Alle in der Basilika je aufgefundenen Einzelteile liegen säuberlich dokumentiert in einem Raum, abgebrochene Arme neben Zehen und kunstvollen Verzierungen.
Pater August legt den Finger wieder zurück auf den Zettel. "Narzissus Altar. Linker Heiliger. Linker Daumen" steht da.
Ausbessern, polieren
Seit zwei Jahren ist die Stiftsbasilika eine Baustelle. Ein metallenes Gewirr an Gerüststangen durchzieht den hinteren Bereich des Kirchenschiffs. An den Wänden sind Bretter und Metallplatten zum Gehen und Arbeiten. Hoch oben sitzt Johann Griessbacher und reibt an einer Marmorverkleidung. "Kleine Beschädigungen wurden originalgetreu ausgebessert und jetzt wird das Ganze poliert", erklärt der Mitarbeiter der Grazer Restaurationsfirma Christian Binder.
Es bröckelt nicht nur an dieser Stelle. Untersuchungen haben ergeben, dass manche Bauteile der Basilika schon gefährlich sind und wertvolle Fresken und Materialien beschädigt. "Die Restaurierung war dringend notwendig", sagt Pater August und seufzt.
Bei ihren Vorarbeiten sind die Restauratoren zudem auf ungeahnte Schätze gestoßen. Denn unter einer Schutzschicht aus jahrhundertealtem Staub, vermischt mit Weihrauch und Kerzenruß, fanden sie an der Brüstung die unberührte Marmorierung und Vergoldung aus der Barockzeit. Jetzt holen sie diese Stück für Stück wieder hervor.
Schwindelfrei
Hat man das oberste Gerüst-stockwerk erklommen, öffnet sich dem Blick ein weites, in bunten Farben gehaltenes Deckengemälde des fast in Vergessenheit geratenen Freskenmalers Joseph Adam von Mölk. Er muss ein schwindelfreier Zeitgenosse gewesen sein. Fast 250 Jahre ist sein Werk alt und somit - auch wenn man es von unten kaum sieht - von einem Grauschleier überzogen.
Manches ist bereits vergangen. "Was verblasst ist, wird nicht neu gemalt", sagt der Pater. "Alles wird nur befestigt und gereinigt. Die moderne Konservation arbeitet so."
Viele Fachkräfte, viel Technik und Know-how braucht es, um Kulturgüter wie die Basilika des Stifts Rein zu restaurieren. Das kostet viel Geld. "Allein aus den Mitteln des Klosters wäre das unmöglich", sagt Pater August. Das Klostergebäude wurde bereits fast fertig renoviert, dafür kam das Kloster auf. Der Sturm Paula Anfang des Jahres 2008 brachte zwar Verwüstung auf den Gründen des Klosters, doch das Holz konnte verkauft werden.
Bei der Basilika ist man auf Förderungen und Spenden angewiesen. 960.000 Euro werden für den ersten Teil der Restaurierung gebraucht, insgesamt wird noch mehr nötig sein. Mit der Kampagne "Ein Stück vom Himmel" soll die Restaurierung dieses steirischen Kulturguts besser bekannt gemacht werden. 2014, so hofft man, erstrahlt die Basilika des Stifts Rein dann wieder in neuem, altem Glanz.
Spendenkonto für die Restaurierung des Stifts Rein: Landes-Hypothekenbank Graz, Kontonummer 20 14 13 52 360, BLZ 5600, Kennwort: "Restaurierung Basilika", oder mit beiliegendem Erlagschein


















