Banken-Trick trieb Steirer in den Konkurs
Bei dubiosen Trading-Geschäften verschwand fast eine Million Euro. Die Betrugsaffäre wirft auch ein schiefes Licht auf Anwälte und Justiz.

Foto © HoffmannBetrugsopfer Richard Reichmann (li.) und Hannes Neuhold vor ihrem Büro: Monatelang ließen sie sich vertrösten
Die brisante Affäre liest sich wie das Drehbuch zu einem Krimi: Am 21. Juli 2008 plünderten die Steirer Hannes Neuhold und Richard Reichmann das Kreditkonto ihrer eigenen Firma Bau-Check GmbH, um ans große Geld zu gelangen. Sie übergaben in einer Volksbank-Filiale 414.000 Euro in bar an den Geschäftsmann Heinz Kölbl, der ihnen höchste Gewinne versprach.
Die Afrika-Connection
Der Deal, den Kölbl abwickeln wollte, klingt ebenso märchenhaft wie unglaubwürdig: Über deutsche und spanische Gewährsleute der Schweizer Firma Kingsley Trading sollte eine geleaste Bankgarantie in Höhe von 250 Millionen Euro beschafft werden. Diese Bankgarantie sollte als Sicherheit für einen Großkredit der Schweizer UBS Bank dienen. Mit der Kreditsumme würde ein afrikanischer Investmentbanker namens Phinias Sichoongwe 40 Wochen lang weltweit spekulieren. Für die Steirer, so hieß es, würden acht Prozent Zinsertrag pro Monat anfallen. In Summe sollten nach Abzug der Kosten sagenhafte 200 Millionen Euro Reingewinn übrig bleiben.
Dass die Zahler ihr Geld nie wiedersahen, wird so manchen Leser nicht überraschen. Neuhold und Reichmann beteuern aber, sie hätten alle Geschäftspartner überprüft und den spanischen Kingsley-Vertreter Olaf H. sogar via Interpol und spanischer Wirtschaftskammer durchleuchtet. Auch Kölbl, der seine Partner in einer 2,3 Millionen Euro teuren Villa mit Hallenbad in Graz-Wetzelsdorf empfing und einen teuren Jaguar fuhr, schien ihnen zunächst vertrauenswürdig.
Fahrt nach Liechtenstein
Tatsache ist jedoch, dass sich die Spur des Geldes - und weiterer rund 600.000 Euro, die die Genannten gemeinsam mit anderen Investoren später auf den Tisch legten - bei Kölbl verliert. Der beteuert, selbst betrogen worden zu sein: Zunächst habe er das Geld auf ein Konto von H. bei der LGT Bank in Vaduz (Liechtenstein) einzahlen wollen. Kölbls Bank, die Steiermärkische, führte die Überweisung aber nicht durch, weil diese zu sehr nach Geldwäsche roch. Kölbl: "Daraufhin habe ich mich ins Auto gesetzt und das Geld selbst nach Liechtenstein gebracht."
In der Folge wurden die Investoren monatelang mit Ausreden hingehalten. Einmal waren noch sogenannte "Compliance Prüfungen" nötig, dann wieder saß der Trader Sichoongwe in Sambia fest, weil er kein Visum für die Schweiz bekam. Dann endlich der Knalleffekt: Die UBS Bank verweigerte die Auszahlung, weil es sich bei der Bankgarantie der holländischen ABN Amro Bank um eine Fälschung handle.
Trotzdem dauerte es noch Monate, bevor Neuhold und Reichmann realisierten, dass sie Betrugsopfer sind. Zuvor gab es jede Menge abenteuerliche Verwicklungen und immer neue Gewinnversprechen mit immer höheren Summen. Absolutes Highlight: ein im April 2009 übermitteltes Angebot von H., wonach alle Kunden gemeinsam Bankgarantien von 900 Millionen Euro beschaffen sollten. Das Geld werde nach vier Wochen auf 1,25 Milliarden Euro (!) "aufgestockt", von denen 125 Millionen "an die Kunden aufgeteilt" würden.
Die bittere Wahrheit sah anders aus: Über die Bau-Check GmbH wurde mittlerweile der Konkurs eröffnet, zumal Neuhold und Reichmann ihre 414.000 Euro nur bei einer südsteirischen Raiffeisenbank ausgeborgt hatten. Am 31. August brachte der Grazer Anwalt Franz Unterasinger Strafanzeige gegen Kölbl, ABN, die UBS Bank und Olaf H. sowie weitere Verdächtige ein.
Zum Masseverwalter der Firma Bau-Check wurde die Grazer Kanzlei CGO bestellt. Dieser Umstand wirft heikle Fragen auf, da ein CGO-Miteigentümer mit Kölbl in Geschäftsverbindung steht (siehe Bericht rechts oben). Das Gericht muss nun über eine Befangenheit entscheiden. Auffällig ist, dass es ähnliche problematische Zusammenhänge in Graz schon öfters gab.



















