"Ich habe genug von diesem Verfolgungswahn"
GAK-Präsident Benedikt Bittmann über die rote Zukunft, Fanausschreitungen und wie der Klub vom "Rapid der Regionalliga" zum Erstligisten werden will.

Foto © Sabine Hoffmann
Herr Bittmann, wie ist das jetzt genau, dürfen wir zu Ihnen Herr Präsident sagen?
BENEDIKT BITTMANN: Ja, ich bin von der außergewöhnlichen Generalversammlung für vier Jahre zum GAK-Obmann gewählt worden. Im Fußball sagt man Präsident und da fühl' ich mich geehrt. Aber wirklich wichtig ist, dass ich mit meinem Stellvertreter Raimund Pock, den Rechnungsprüfern und dem erweiterten Vorstand ein Super-Team habe. Es ist gelungen, alle Gruppen, die Teufelsrunde, die 1902er, die Investoren, die Akademie auf einen Nenner zu bringen. Bisher waren alle Fans, aber man hat gegeneinander gearbeitet.
Sie hatten schon abgewunken, warum sind Sie nun Obmann?
BITTMANN: Das ist unsere letzte Chance nach drei Konkursen. Ich hab' gewusst, wenn ich mich nicht hinstelle, gibt's keinen anderen. Dann können wir den GAK begraben. Also mache ich es jetzt eben.
Was hat Ihre Frau dazu gesagt?
BITTMANN: Meine Familie steht voll dahinter. Meine Frau wollte nur wissen, ob ich da finanzielle Abenteuer eingehe.
Und, stecken Sie selbst Geld rein?
BITTMANN: Nein.
Wie sehen die Überlebenschancen der Roten aus?
BITTMANN: Wir sind ein bescheidener Regionalligaverein. Aber die Fanbasis ist da, die Ausgangslage gut. Viele, auch Bankdirektoren, haben mir zur Wahl gratuliert und gesagt, sie wollen mithelfen.
Wie hoch ist das Budget?
BITTMANN: Es lag bei 900.000 Euro, als ich übernommen habe, ich habe es auf 750.000 gedrückt und treibe Sponsoren auf. Die Liste mit sieben Sponsoren des Vorjahres war ja lächerlich. Aber Vergangenes ist vergangen. Da ist alles schiefgegangen, was schiefgehen kann. Aber aus eigenem Verschulden. Das habe ich auch nach der Niederlage gegen Gleinstätten gesagt. Ich hab' genug von diesem Verfolgungswahn. Immer sind alle anderen schuld.
Besteht nicht die Gefahr, dass der GAK wie Voest-Nachfolger Blau-Weiß Linz auf Jahre in der Regionalliga stecken bleibt?
BITTMANN: Ja, deshalb müssen wir in zwei, drei Jahren den Aufstieg in die Erste Liga schaffen, aber nicht aus budgetären Gründen. Wir werden seriös arbeiten, Spieler aus unserer Akademie einbauen, uns erst verstärken, wenn wir es uns leisten können. Kicken wir mit steirischen Buben gut, kommen neue Sponsoren. Dann wird der Aufstieg sportlich passieren.
Gibt's Konsequenzen nach den letzten Fanausschreitungen?
BITTMANN: Ich führe intensive Gespräche mit Fan-Vertretern und unserer "Fan-Polizei". Wir wollen das abstellen, aber man kann den einen Böller nie verhindern. Zunächst dachte ich über Stadion-Verbote nach, aber die sind kaum durchzusetzen. Eine andere Möglichkeit: Wir legen 10.000 Euro auf ein Konto, zahlen davon die Strafen, die Fanvereine bekommen, was übrig bleibt.
Vertreibt das Prügelimage nicht auch potenzielle Sponsoren?
BITTMANN: Die Gefahr besteht. Aber es sind ja etwa auch Gleinstätten Fehler passiert. Wir sind ja Rapid der Regionalliga, füllen anderen die Stadien und bringen ihnen viel Geld. Aber für Sicherheitsvorkehrungen sorgen sie nicht. Das entschuldigt aber unsere Anhänger natürlich nicht.
Was macht die Stadiendebatte? Bleibt der GAK in der UPC-Arena oder geht man bei Heimspielen ins Trainingszentrum Weinzödl?
BITTMANN: Weinzödl ist gestorben. Es verstünde keiner, wenn wir dort jetzt in ein Stadion investiert hätten. Wir spielen in Liebenau.
Und was ist mit Weinzödl?
BITTMANN: Die GAK-Investoren wollen das Trainingszentrum ja an die Graz AG abtreten, die jetzt unser Sponsor ist. Ich kann mir dort ein Modell mit einer Halle, Golf, dem Reitsportzentrum und unseren Trainingsplätzen, die auch andere Vereine nutzen können, gut vorstellen. Das ist noch nicht vom Tisch.
Features
Auf Augenhöhe
Privat: Benedikt Bittmann (51) ist verheiratet mit Marion und hat eine Tochter namens Leonie (7).
Beruflich: Der einstige VP-Landtagsmandatar ist geschäftsführender Gesellschafter des Seitner und Bittmann Elektro-Großhandels und Vizepräsident der Wirtschaftskammer. Derzeit ist er täglich sechs Stunden in Sachen GAK unterwegs und treibt Geld neuer Sponsoren auf.
Sportlich: Der GAK-Präsident will mit seriösen, langsam wachsenden Budgets im Jahr 2012 oder 2013 den Aufstieg in die Erste Liga schaffen und bis zur Generalversammlung am 21. Oktober das 750.000-Euro-Budget aufgestellt haben. "Die Bundesliga ist dann sicher unser nächstes Ziel."














