Nachzipf: Kampf dem inneren Schweinehund
Viel Zeit bleibt nicht mehr: In rund zwei Wochen müssen sich mehr als 3300 steirische Schüler einer Wiederholungsprüfung stellen. Wir haben Tipps fürs Lernen gesammelt.

Foto © FotoliaIn knapp zwei Wochen geht es für mehr als 3300 steirische Schüler bei einer Nachprüfung um alles oder nichts
Der Berg, der sich vor Sarahs innerem Auge auftürmt, könnte auch einer der vierzehn Achttausender dieser Erde sein. Zwei Wochen noch. Dann geht es für die 16-Jährige um alles oder nichts. Um den Aufstieg in die siebente Klasse Gymnasium. Oder um den Fünfer, der bleibt, und damit die Klasse, die sie wiederholen muss, mit neuen Leuten und ohne ihre Freunde, die ihr vorausziehen. Für die Schülerin ist das eine große Belastung.
Die Wiederholungsprüfung bereitet Sarah ziemliche Bauchschmerzen, nicht nur im übertragenen Sinn. "Ich weiß nicht so recht, wie ich das Lernen jetzt angehen soll", sagt sie - und wir haben Sabine Fritz von der Pädagogischen Hochschule Graz um Tipps gebeten.
Wie geht man das finale Lernen für die Wiederholungsprüfung am besten an?
ANTWORT: Jetzt ist optimalerweise die Phase, in der man das Gelernte intensiv wiederholt. Ganz wichtig ist es, sich einen Überblick über den Lernstoff zu verschaffen. Man sollte sich also fragen: Was lerne oder wiederhole ich wann und mit welchen Materialien? Dann kann man sich einen Lernplan erstellen mit fixen Lernzeiten. Gut ist es, sich diese in einen Kalender einzutragen. Auch der Lernstoff sollte in Bereiche gegliedert und mit in den Kalender eingeschrieben werden. Wichtig ist, dass alle Lernmaterialien griffbereit daliegen.
Wie sagt man dem inneren Schweinehund den Kampf an?
ANTWORT: Es ist wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein. Man sollte sich bewusst machen, dass es anstrengend wird, und auf jeden Fall probieren, die Lernzeiten einzuhalten. Es nützt nichts, das innerlich wegzuschieben. Selbstdisziplin ist da gefordert.
In welcher Umgebung lernt man am besten?
ANTWORT: Das ist bei jedem individuell. Wichtig ist es, sich eine Umgebung zu schaffen, die zum Lernen einlädt. Also alles wegzutun, was einen ablenkt - kein Handy, keinen Fernseher, sich einfach nicht stören zu lassen. Es ist gut, nach etwa 20 Minuten intensiven Lernens ein paar Minuten Pause zu machen und sich eine Belohnung zu gönnen, etwa Musik zu hören.
Wie kann man sich den Stoff gut einprägen?
ANTWORT: Vielen hilft es, Stichwortzettel zu schreiben, also das Wichtigste herauszufiltern. Man kann sich das auch aufzeichnen, etwa in einer "Mindmap", wo sich Assoziationen um ein Schlüsselwort gruppieren. Man muss überlegen, welche Technik sich für welchen Lernstoff eignet. Vielen hilft es, den Stoff jemandem zu erklären, ob Freunden oder Eltern.
Wie kann man der Prüfungsangst beikommen?
ANTWORT: Etwa, indem man die Prüfungssituation durchspielt, mit anderen oder alleine. Und indem man sich sagt: Ich habe gelernt und schaffe es.
Ist Nachhilfe noch sinnvoll?
ANTWORT: Für manche Schüler ist es hilfreich, Partner zum Lernen zu haben. Das können Eltern, Freunde oder eine professionelle Nachhilfe sein.
Wie können die Eltern einen "Nachzipfler" unterstützen?
ANTWORT: Sie sollten Ängste ihres Kindes nicht wegreden und ihm das Gefühl geben, dass sie an das Kind glauben. Wichtig ist auch, zu vermitteln, dass die Welt nicht untergeht, wenn es danebengehen sollte.
Features
DIE STEIRISCHEN SCHÜLER
3325 der 128.000 steirischen Schüler werden im Herbst zu einer oder mehreren Wiederholungsprüfungen antreten. Bestehen sie diese, können sie in die nächste Klasse aufsteigen.
24 Prozent der steirischen Oberstufenschüler (allgemeinbildende oder berufsbildende höhere Schulen) konnten das Schuljahr 2009/2010 mit ausgezeichnetem Erfolg abschließen, fast 15 Prozent noch mit gutem Erfolg.
Maturanten. Auch bei den Reifeprüfungen haben die meisten positiv abgeschnitten. Fast jeder vierte der fast 5500 steirischen Maturanten hat mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen, immerhin jeder fünfte noch mit gutem Erfolg.















