Wo die Heimat wächst
Glaube, Hoffnung, Mut. Und die Botschaft der Gleichheit. Das alles wächst vor den Containerfenstern im VinziDorf in Graz.

Foto © KLZDie einst heimatlosen Männer setzen Hoffnung, Glaube, Heimat, Mut in die Blumenkisterln, ohne an den Sieg zu denken. Es geht um weit mehr.
Alles fängt einmal klein an. Das weiß Gregor nur zu gut. Immerhin wird er auf seinem Stammbankerl unter dem Kriecherlbaum immer wieder daran erinnert. An seine Geschichte. Damals, als er noch neu im Containerdorf war und die kleine Pflanze fand. Sie zu hegen und pflegen begann. 13 Jahre, unermüdlich, bis ein anständiger Baum daraus gewachsen war und ihm die ersten Früchte schenkte. Willkommen im VinziDorf in Graz. An dem Ort, an dem der Blumenschmuckbewerb ganz besondere Wurzeln geschlagen hat. Nämlich welche mit einer besonderen Botschaft.
"Unsere Teilnahme ist ein Zeichen nach draußen, dass auch unsere Bewohner Teil der Gesellschaft sind", erklärt Manfred Rupp von der Vinzenzgemeinschaft. Blumen gab es zwischen den petrolblauen Wohnungen schon immer. Alleine, um den Männern den Aufenthalt angenehmer zu machen. Zum zweiten Mal sind die einst heimatlosen Männer, die in Leonhard Zuflucht und eine neue Gemeinschaft gefunden haben, nun beim Landesblumenschmuckbewerb dabei. In der Kategorie "Schönstes Gemeinschaftsprojekt" werkeln sie, ohne an den Sieg zu denken. Es geht um weit mehr. Hoffnung, Glaube, Heimat. Und Mut. Zu zeigen, dass sie nicht anders sind als die anderen. Einzig ihre Biografie unterscheidet sich. Diese Botschaft wurde in unzählige Blumenkisterln gesetzt, die nun jedes einzelne der Containerfenster schmücken.
Kleine Geste, großer Wert
"Wer will, kümmert sich selbst um seine Pflanzen. Allen anderen wird bei der Pflege geholfen", erklärt auch Initiatorin Erika Absenger. Für die Männer selbst ist es eine Freude, den Pflanzen beim Wachsen und Gedeihen zuzusehen. Und die ist ihnen auch etwas wert. Sie finanzieren die Pflänzchen zu einem Teil selbst, werfen dafür einen Teil ihres persönlichen Budgets in eine Spendenbox. Und auch wenn die Summen nicht groß sind, die Geste ist unbezahlbar. Für das ganze Dorf. "Man muss bedenken, dass viele gerade mit ein paar wenigen Besitztümern, die sie am Leib tragen, zu uns gekommen sind", erklären die Betreuer.
Der größte Besitz von Bewohner Alois ist nun seine Blumenampel, die seine Eingangstür schmückt. "Früher habe ich ein Haus gehabt mit einem Garten. Die schönsten Rosen habe ich darin gehabt", erinnert er sich. Jetzt hat er eine neue Heimat gefunden. Zwar ist es kein Haus, auch der Garten samt Rosen fehlt. Und doch ist er so stolz auf diese Pflanze, die er liebevoll betreut. Und vielleicht ist es eine Botschaft des Blumenschmuckbewerbs, die durch Alois und seine Nachbarn eine neue Dimension bekommt. Blumen verbinden. Über alle Normen hinweg.
















