Rekord-Austrittswelle für die Kirche
Die Missbrauchsfälle in der Kirche spiegeln sich in den Austrittszahlen: Allein in Graz verließen heuer schon mehr als doppelt so viele Katholiken die Kirche als im ganzen vergangenen Jahr.

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Im Frühjahr, zum medialen Höhepunkt der Missbrauchsaffären in der katholischen Kirche, hatte es sich bereits abgezeichnet. Inzwischen ist es deutlich sichtbar: So viele Menschen wie nie zuvor dürften sich heuer von der Kirche abwenden. Befeuert durch die bekannt gewordenen moralischen Altlasten, sind die Austritte nach oben geschnellt.
Austritte
So verzeichnete das Magistrat Graz, das in der Landeshauptstadt die Kirchenaustritte registriert, allein im März mehr als 1000 ausgeschiedene Katholiken. Rund 200 Austritte sind in diesem Monat sonst üblich. In den ersten sieben Monaten des Jahres waren es 2730 Austritte. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009 traten 1218 Grazer aus der Kirche aus. Die Bischofskonferenz hat vorerst dichtgemacht und will heuer keine Zahlen mehr nennen. Kirchenintern erwartet man bundesweit 80.000 Austritte, 2009 waren es 53.000 gewesen, davor 40.000. In der Steiermark bereitet vor allem ein Phänomen Sorgen: "Die Spitzenwerte bei jenen Austritten, die durch einen speziellen Anlass ausgelöst werden, sind heute höher, als es früher bei ähnlichen Vorkommnissen der Fall war", sagt Georg Plank, Sprecher der Diözese Graz-Seckau. "Und es dauert länger, bis die Welle abflacht." Mit anderen Worten: Krisen in der Kirche treiben immer mehr Menschen aus der Gemeinschaft, und das auch noch über einen längeren Zeitraum hinweg.
Aktuelle Gesamtwerte für die Steiermark will Plank nicht verraten. Nur so viel: "Wir beobachten die Zahlen. Und sie sind nicht sehr schön." Auch wenn sich die Kurve der Austritte seit dem Frühjahr wieder abflache. In der Diözese will man reagieren und künftig das eigene Angebot besser bekannt machen. "Wir waren da bisher zu bescheiden", sagt Plank. "Wer weiß zum Beispiel schon, dass das Afroasiatische Institut, das den Multi-Kulti-Ball ausrichtet, eine Einrichtung der Kirche ist?" Parallel will man sich noch stärker mit den Befindlichkeiten der Ausgetretenen auseinandersetzen. Die Zahl der Wiedereintritte habe man auf diese Weise in den vergangenen fünf Jahren auf 1500 jährlich verdoppelt, sagt Plank.
















