Cédric Pescia ist Intellekt und Gefühl
"Entdeckt" für den Schlosskonzert-Zyklus in Eggenberg wurde ein Ausnahmepianist.

Foto © ORF Wolf
GRAZ. Gerade rechtzeitig zur Ernennung des Barockschlosses zum "Weltkulturerbe" eröffnete der ORF-Steiermark seine (heuer reduzierte) Konzertreihe der Eggenberger Schlosskonzerte mit einer echten Entdeckung aus der Schweiz. Der 1976 in Lausanne geborene Cédric Pescia, der in seiner jungen Karriere bereits die Carnegie Hall in New York und die Wigmore Hall in London erobert hat, forderte sein Publikum im von Radio Steiermark live übertragenen Konzert die ersten 45 Minuten zu mehr als verträumter Klangberieselung heraus.
Fakten
"Eggenberger Schlosskonzerte" unter dem Motto "entdeckt", im Planetensaal, Schloss Eggenberg in Graz. 2. bis 30. August, immer montags, 20.00 Uhr.
Denn der Pianist kombinierte pausenlos Robert Schumann mit György Kurtág und Heinz Holliger. Schumanns "Papillons" kommen ohne Florestan-Pathos aus, weil die Mischung der Jean-Paul-Impressionen zwischen Glück und Gebrochenheit, Traum und Intelligenz sensibel allzu Dröhnendes nicht zulässt. Deutlicher ist da schon Schumanns letzte tragische Komposition der "Geister-Variationen" ((1854), die sich in Pescias Interpretation erstaunlich klar auf Schubert bezieht. Kurtágs "Spiele" ("Játékok", 1973) fordern viel Körpereinsatz außerhalb der Tastatur und gipfeln in einem Walzer in C. Heinz Holligers Trakl-Nachtstücke (1966) bleiben spröde.
Hauptstück des manuell vollendeten Abends wird die letzte Sonate von Franz Schubert (B-Dur, D 960, 1828). Der knapp 40 Minuten dauernde Monolith des scheinbar abgeklärten Abschiednehmens vom Leben erklingt als tief erfühlter Schwanengesang, im exponierten ersten Satz die Bedrohlichkeit der Portato-Achtelketten markant nachzeichnen, im Andante sostenuto sehr getragen und im Finale maßvoll entrückt.
Im Radio: Freitag, 8.10., 19.30 Uhr, Ö 1.
















