Land des Lächelns und der Träume
Es ist die Mystik der kleinen Dinge, die mitten im Alltag Kraft gibt und bei La Strada wieder staunen, schmunzeln und träumen lässt. - Ein Streifzug durch das erste Festival-Wochenende.
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Es kann schon sein, dass plötzlich eine Handtasche verschwindet, die Clown Leandre mit Komplizen aus dem Publikum genüsslich durchstöbert. Oder der verdutzte Kleine im entführten Kinderwagen zum Star vor vergnügter Zuschauerschar wird. Die Tür jedenfalls, die der liebenswerte Mime aus Spanien bei La Strada aufstellt, steht allen offen. Und mitgespielt wurde am Samstag bei der Premiere des Gratisprogramms "Chez Leandre" am Grazer Freiheitsplatz gerne.
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Foto vergrößernDer wunderbare Leandre ergötzt ein Publikum jeden AltersFoto © La Strada/Sandra Ehanafi
Es stehen alle Vorstellungen von Zirkus Kopf, wenn der belgische Circo Ripopolo die Show im Oeverseepark andersrum aufzäumt und das Publikum im Hinterkammerl auf alles erdenklich Sitzbare aus dem Kramurilager pfercht. Anstelle einer fauchenden Wildkatze wird eine umtriebige Weinbergschnecke aus dem Käfig gelassen in der hinreißenden Privatvorführung "A Rovescio", die statt fiebrig angespannter Artistik entspannend aufheiternde Akrobatik bietet.
Erst mit der Dosis entfaltet sich die Wirkung bei "Pantin, c'est l'heure". Der französische Pantomime Jean-Michel Debarbat lässt seine Poesie langsam aufblühen. Immer temporeicher steigern sich die Szenen unter der Uhr im Next Liberty, wachsen die Figuren und entführen die melancholischen Lebensgeschichten ins Land des Lächelns und Träumens.
Waren es Feuerspektakel, himmelhohe Events und Mega-Installationen, die einst für Furore sorgten, hat La Strada mit den Jahren an Bodennähe gewonnen. Und an Volksverbundenheit. Die Stainacher Produktion von Carl Morres "s'Nullerl" etwa ist bei der regionale10 und Straßenfestivals zum Renner avanciert.
Wie die Zeit, so hat sich auch das Gesicht verändert. Das mag an der Reife liegen, ähnlich der spanischen Crew Los2Play, die am Hauptplatz ein gewitzt kunstfertiges "Comeback" gealterter Akrobaten feiert. Aber auch die Bedürfnisse inmitten von Stress und Hektik haben sich geändert. Kleine Perlen sind es, die der Alltagsunruhe Einhalt gebieten. So setzt das Internationale Festival für Figuren- und Straßentheater im 13. Jahr nicht auf große Dramatik, sondern auf Kunst als schadstofffreie Energietankstelle, um wieder staunen, schmunzeln und träumen zu können.


















