Blaue Stunden mit Leonard
Der große Lieder-Poet Leonard Cohen zelebrierte in der Grazer Stadthalle ein Hochamt der Melancholie.
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Beginnen wir damit, wie es geendet hat: Nach einem dreistündigen Hochamt der Melancholie, in dem Leonard Cohen die rund 4000 Zuhörer nicht um den kleinen Finger, sondern um sein großes Inneres gewickelt hat, stimmte der 76 Jahre alte Kanadier seinen allerletzten Song an, sank das letzte Mal auf die Knie und sprach dann kokett diesen wunderbaren Satz: "Good Night, My Darling, I Hope You Were Satisfied." Als Antwort brandete ein finaler, frenetischer Applaus auf, der die tiefe Zufriedenheit für ein Erlebnis ausdrückte, das weit mehr war als ein gelungenes Konzert.
Wir verdanken es übrigens der betrügerischen Managerin von Leonard Cohen, die diesen um fünf Millionen Euro erleichtert hat, dass dieser edle Fürst der Finsternis seinen Lebensabend nicht auf Hydra, dem Chelsea Hotel oder im Elfenbeinturm seiner Songs verbringt, sondern auf den Bühnen dieser Welt.
Nach Graz: Alles ist perfekt an diesem Abend. Die Akustik in der bockigen Stadthalle, das homogene Zusammenspiel der erstklassigen Musiker, der ehrfürchtige Umgang miteinander, die rührende Offenheit des Publikums. Man spürt, dass hier nicht nur ein begnadeter Künstler bejubelt wird, sondern ein geliebter Wegbegleiter, der seit Jahrzehnten zum Soundtrack des Lebens gehört.
Buddhistisches Mantra
Cohen, der fünf Jahre in einem Kloster verbracht hat, zelebriert seinen Songkatalog wie ein buddhistisches Mantra. Er holt all seine "Beautiful Losers" aus dem Rinnstein, gibt ihnen Stimme und Würde. Die fast religiöse Bewunderung, die ihn umgibt, resultiert nicht aus seiner Unfehlbarkeit, sondern dem genauen Gegenteil. Das besondere Faszinosum: Erst jetzt, im Alter, ist Leonard Cohen dort angekommen - im Land der endlichen Dinge -, worüber er bereits als junger Mann gesungen hat.
"Bird On The Wire", "Who By Fire", "Suzanne", "So Long, Marianne", "Sisters Of Mercy", "First We Take Manhattan", "Famous Blue Raincoat". . . Die bloße Aneinanderreihung von Songs greift zu kurz. Das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile. Die blauen Stunden mit Leonard Cohen, sie enden kurz vor Mitternacht. Immer wieder tänzelt der große, alte Mann leichtfüßig von der Bühne. Und wird zurückgeklatscht. "I Did My Best, It Wasn't Much", zwinkerte er uns an diesem unvergesslichen Abend in einem Song zu. Doch, Mr. Cohen, es war sehr viel.














