Skelettfund in der Grazer Burg
Arbeiter entdeckten einen Schädel aus dem 11. oder 12. Jahrhundert auf einer Baustelle in der Grazer Burg. Archäologische Grabungen folgen.

Foto © LandespressedienstDozent Manfred Lehner, Baukoordinator Roman Langmann und Baggerfahrer Burkhard Egger
So etwas hat Burkhard Egger auch noch nie ausgebuddelt. Der Baggerfahrer wollte bei Bauarbeiten in der Grazer Burg eigentlich Raum für Elektroschläuche schaffen. Dabei hat er mit seiner Schaufel ein Schädelskelett freigelegt. "Meine Kollegen und ich haben dann sofort die Polizei verständigt", erzählt Egger.
Historischer Fund
Der gerufene Gerichtsmediziner Peter Roll konnte aber Entwarnung geben. Es liegt kein Kriminalfall vor, sondern vielmehr ein historischer Fund. "Der Schädel war 50 bis 60 Zentimeter im Lehmboden vergraben und ist wirklich sehr alt." Er hat daher gleich Archäologen verständigt.
Wie alt das Skelett genau ist, steht noch nicht fest. Nach einer ersten Schnellanalyse kommt Archäologe Manfred Lehner von der Uni Graz aber zum Schluss: "Hochmittelalter, wohl 11. oder 12. Jahrhundert." Der Fundort liegt knapp außerhalb der historischen Stadtmauer, hat mit dieser aber genauso nichts zu tun wie mit der Burg. "Das ist eine viel frühere Siedlungsschicht", so Lehner. Die Burg ließ erst Herzog Friedrich V., der spätere Kaiser Friedrich III., ab 1438 anlegen.
Lehners Vermutung: "Es könnte sich um ein Grab auf einem alten Friedhof handeln, der zum heutigen Dom gehörte." Der Dom selbst stammt zwar auch erst aus der Zeit von Friedrich III., an seiner Stelle stand aber eine vom Traungauer Ottokar III. erbaute "landesfürstliche Eigenkirche", die 1171 erwähnt wird.
Das Bundesdenkmalamt wird nun weitere Grabungen durchführen, die Baustelle - es geht um einen Lagerraum für die neue Kantine in der Burg - ruht an dieser Stelle vorerst.



















