Wer, bitte sehr, war dieser Herr Brockmann?
Der Name ist geläufig, denn Brockmanngasse und -schule kennt man, nur wenige wissen aber, dass er einst der Superstar der deutschen Bühnen war.
Nach ihm sind Brockmanngasse und Brockmann-Volksschule benannt. Aber wenn man jemanden auf der Straße fragt, wer Johann Franz Brockmann war, gibt's keine Antwort.
Dabei war dieser Grazer zu seiner Zeit - und das war die Ära Goethes und Schillers in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts - einer der bedeutendsten Schauspieler der Epoche. Der erste Hamletdarsteller im deutschen Sprachraum, der in Hamburg und Berlin Triumphe feierte. Er war der erste Schauspieler im ganzen Reich, der nach der Aufführung durch den tobenden Applaus vor den Vorhang geklatscht wurde.
Seine Berühmtheit veranlasste Kaiser Josef II., ihn mit einem ansehnlichen Gehalt 1778 nach Wien an das neu gegründete Burgtheater zu berufen, dessen Leitung er ab 1789 übernahm und somit auch die Pensionsberechtigung der Burgschauspieler errang. Außerhalb des Theaters war er der beste Gesellschafter und versprühte seinen Charme in den Salons der feinen Gesellschaft.
Aber auch dieser Megastar hatte einst klein in Graz angefangen. Am 30. September 1745 wurde dem Franz "Prockham" und seiner Frau Theresia "im Soldatenhaus ober dem Lesliehaus" ein Bub geboren, der auf die Namen Johannes Franz Hieronimus getauft wurde. Dieses Soldatenhaus ist heute noch als Eckhaus Raubergasse/Wurmbrandgasse (hinter dem Amtshaus) erhalten. Die Soldatenhäuser waren damals kleine Kasernen, in denen die ausgedienten Stadtsoldaten mit ihren Familien wohnten. "Zur Zeit von Brockmanns Geburt lag dieses Soldatenhaus in einer sehr düsteren Gegend", schreibt Robert Baravalle in seiner Schrift "Franz Brockmanns Jugend". "An das Soldatenhaus grenzten die Stallungen des Gasthofes zum Lamm an und nur wenige Schritte weiter südlich schloss die Stadtmauer mit dem Reckturm, der Wohnung des Henkers, die enge Gasse ab."
Kampf mit den Zinngießern
Sein Vater war in Paderborn geboren und hatte das Zinngießerhandwerk gelernt. 1742 war er als Stadtgarnisonssoldat nach Graz gekommen. Zwei Jahre später nahm er Abschied und wollte seinen erlernten Beruf ausüben. Aber er hatte nicht mit der Feindschaft der Grazer Zinngießerzunft gerechnet, die keine Konkurrenz wollte. Um ihm die Arbeit zu ermöglichen, nahm ihn der Schlosskommandant auf die Festung zum Läuten der großen Glocke, der Liesl. In Wirklichkeit aber wohl, um hier in Ruhe arbeiten zu können - die Offiziere der Garnison waren seine Kunden.
1751 wurde Brockmanns Gesuch, sich als Bürger und Zinngießer in Graz niederlassen zu dürfen, abgewiesen. Lange wogte der Streit hin und her. Am 3. März 1752 entschied die Regierung, dass Brockmanns Ware schöner und besser gearbeitet war als jene der Grazer Zinngießer. Nun durfte er sein Handwerk ausüben.
Der kleine Johann hatte zu dieser Zeit viel Umgang mit spanischen Kriegsgefangenen auf dem Schloßberg - und lernte dabei Spanisch. Bald darauf übersiedelten die Eltern wieder in die Stadt, der Sohn besuchte die Schule und wurde 1756 in die 1. Klasse der Lateinschule der Jesuiten aufgenommen. Mit mäßigem Erfolg schloss er die Unterstufe ab und kam 1760 zu einem Chirurgen in die Lehre. Chirurgen muss man sich damals eher als Bader vorstellen, geschickt im Einrichten von Brüchen, im Setzen von Blutegeln und im Aderlassen. Nebenbei schnitten sie Haare und Bärte.
Der Hang zum Theater
Schon früh hatte der junge Brockmann eine Neigung zum Theater. In freien Stunden trat er im Theater am Tummelplatz (Ecke Burggasse/Einspinnergasse) als Statist auf. Und im Sommer 1762 schlug seine große Stunde, als der Schauspieler Hasenhut nach Graz kam, um nach jungen Talenten Ausschau zu halten - Brockmann stellte sich ihm vor und machte sogleich Eindruck. Denn der 17-Jährige war wie geschaffen für die Rolle des jugendlichen Liebhabers: blaue Augen, kastanienbraunes, leicht gewelltes Haar, ebenmäßige Figur. Er wurde auf der Stelle engagiert.
Schweren Herzens stimmten seine Eltern zu, denn der Schauspielerstand gehörte noch vielfach zu den "unehrlichen Leuten". Und Jahre der Enttäuschung folgten: Sein steirischer Dialekt und seine ungelenken Bewegungen machten ihn in größeren Rollen unmöglich, so musste Brockmann weiter mit Statistenrollen vorlieb nehmen und Theaterzettel verteilen. Doch schließlich kam sein wahres Talent als großer Tragöde zum Durchbruch - der Rest ist Geschichte.
















