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Zuletzt aktualisiert: 23.07.2010 um 11:36 UhrKommentare

styriarte: Jubel für ein Opernjuwel

Die styriarte bietet mit "Orfeo ed Euridice" ein Prachtstück von Johann Joseph Fux. Jordi Savall leuchtet die Partitur in der halbszenischen Fassung klangschön aus.

Jordi Savall

Foto © APAJordi Savall

Die Wiener Hofcompositeure ließen sich nicht lumpen. Und schon gar nicht bei Geburtstagsgalas für den Kaiser. Also schuf auch Johann Joseph Fux, der einstige steirische Bauernsohn, zu Ehren von Karl VI. ein Prachtstück, das 1715 den für seine strenge Etikette bekannten und selbst komponierenden Habsburger ergötzen sollte.

Der styriarte ist es zu verdanken, dass "Orfeo ed Euridice" (sieht man von einer seinerzeitigen Festaufführung für Karl am hiesigen Hof ab) nun das erste Mal in Graz zu hören ist. Und das in einer höchst galanten und frischen Interpretation, für die sich Jordi Savall erstmals intensiv mit Fux beschäftigt. Thomas Höft hat die übrigens noch nie auf CD aufgenommene Kammeroper sehr zurücknehmend, aber charmant halbszenisch in die List-Halle gestellt, Bettina Dreißger klassisch- schlichte Kostüme entworfen. Und Intendant Mathis Huber fungiert diesmal auch als geschickter Bühnenbildner, indem er mit Fächern aus Stellwänden eine halbrunde Grotte suggeriert und zugleich praktikable Auftrittsmöglichkeiten bietet.

Die berührende Sage von Orpheus und seiner verstorbenen, fast geretteten, schließlich durch einen einzigen unachtsamen Blick auf ewig an das Todesreich verlorenen Eurydike brauchte vor Kaisers Augen natürlich ein Happy End. Und so wird bei Fux aus dem Trauerspiel ein Freudenfest, das ein Hohelied auf die Ehe singt: Treue schlägt nicht nur Eifersucht, sondern auch den Tod.

Raffinessen

Schon die Ouvertüre verspricht neben seufzerischen Tönen ein Finale in strahlendem Dur. Savall leuchtet mit seinem reich an Klangfarben musizierenden Orchester "Le Concert des Nations" und dem swingenden Schoenberg-Chor den mit kühnen Wendungen und raffinierten Melodien gespickten Einakter in allen Facetten aus. Mit souveräner Gelassenheit bündelt der Katalane auch die Figuren auf der Bühne, die sich im ersten Teil noch etwas monochrom zumeist in Soli vorstellen, in musikalischen Psychogrammen, die auch inszenatorisch etwas mehr verdient hätten als bloßes Rampensingen.

Bald aber erwacht nicht nur das Mitleid des Hadesfürsten Pluto (stark: Furio Zanasi), sondern das gesamte Ensemble. Die quicke Magdalena Podkoscielna könnte als Amor ruhig frecher sein, Makoto Sakurada gibt dem intriganten Aristeo scharfes Profil. Countertenor Pascal Bertin taut nie wirklich auf, seinem Orfeo fehlt es leider an Sinnlichkeit, den Franzosen hat man schon weit besser gehört. Mit schön gerundetem Sopran überzeugt Anna Kasyan als Euridice, zumal in der Wehklagen-Arie mit ihren serpentinischen Melodiebögen.

Die Krone aber gebührt mit Abstand Roberta Mameli: Als Königin der Unterwelt Proserpina bewegt die Römerin mit reifem, dunklem Sopran, mit inniger Ausdruckskunst für Süße und Zorn; ein Glücksfall einer Sängerin, wegen der allein schon man dieses Opernjuwel von Fux gesehen haben muss.

MICHAEL TSCHIDA

ZUR OPER

Orfeo ed Euridice von J. J. Fux. Dirigent: Jordi Savall. Regie: Thomas Höft.

Termin nur noch heute, 20 Uhr, List-Halle Graz.

Karten: (0316) 825 000.

Bewertung: HHHHI

Im Hörfunk: Radio Steiermark: 1. 8., 20.04 Uhr.

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