Wenn Wasser extra kostet
In der Grazer Gastro-Szene sorgt derzeit ein Dauerbrenner wieder für Wirbel: Was ist, wenn ein Gast bloß Wasser trinken will? Manchen Wirten ist es egal - anderen nicht.

Foto © AP
Sie habe es "mit Fassung" getragen, wie eine Grazerin der Kleinen Zeitung erzählt - "aber in Wahrheit ärgert man sich gewaltig". Was sie so wurmte, war nicht die Affenhitze, sondern die ihrer Meinung nach teure "Abkühlung": Im Café Gino auf dem Tummelplatz bestellte sie ein Glas Wasser - und musste dafür 50 Cent bezahlen.
Ja, in diesen Tagen ist ein Dauerbrenner in die Grazer Gastro-Szene zurückgekehrt. Nämlich die Frage: Wie halten es die Wirte der Stadt mit Kunden, die weder einen Aperol-Spritzer noch einen Cappuccino trinken wollen - sondern bloß Leitungswasser.
Die Antwort: Manche drücken ein Auge zu, andere verlangen Bares - und viele gestehen inoffiziell, "dass das Ganze ein irrsinnig heikles Thema ist".
Ein Viertelliter um 50 Cent
Gerhard Sudy hat sowohl für sein Café Gino als auch für das "Muhr" in der Herrengasse eine klare Regelung gefunden: Wer bei ihm etwas isst und dazu "nur" Wasser trinkt, zahlt für einen Viertelliter 50 Cent. "Wir verrichten ja auch dann eine Dienstleistung. Das Wasser wird bei uns vorgekühlt und in einer Karaffe serviert, außerdem wird das Glas gewaschen. Also, die meisten Gäste verstehen das."
Auch im Café "Technika" (Kaiserfeldgasse) kostet das Glas Wasser extra. Chef Ernst Strohmenger spricht dabei ebenfalls von einer "Dienstleistung": "Trinkt jemand zu unserem ohnehin günstigen Mittagsmenü nur Wasser, zahlt er 40 Cent."
Weiterhin kostenlos sei Wasser in Begleitung von Kaffee und Wein. "Und im Gegensatz zu anderen verlangen wir nichts extra, wenn wir einen Saft mit Wasser auf die Halbe aufspritzen."
Sowohl im Café Fink als auch im Sacher hat man hingegen die Meinung der letzten Jahre revidiert: "Für ein normales Leitungswasser verlang' ich jetzt nichts mehr, das war dauernd nur ein Kampf mit den Gästen", gesteht Fink-Chef Franz Bergbauer. "Ich verlang' jetzt nur noch für ein Glas Wildalpquellwasser."
Und noch 2005 zahlten Gäste im Sacher in der Herrengasse, die nur ein Glas Wasser trinken wollten, 50 Cent. "Bei mir gibt's das nicht mehr", betont der nunmehrige Hausherr René Leitgeb. "Da hast du mehr Stress als Gewinn."
















