Sektenexperte ortet zunehmend rechtsextreme Esoterik
Eine verstärkte Tendenz in eine politisch-ideologische, rechtsextreme Richtung erkennt der Leiter der steirischen Sekten-Service-Stelle, Roman Schweidlenka, bei "einigen esoterischen Bewegungen".

Foto © APAEsoterik sei oft das Tor für Rechtsextremismus"
Die Ideologisierung sei die zweite Gefahr neben der bei Sekten häufigen persönlichen Vereinnahmung und finanziellen Ausbeutung von Menschen, hielt der Grazer Experte am Dienstag im Grazer Pressegespräch fest.
"Die Esoterik ist ein Einfallstor für den Rechtsextremismus", sagte Schweidlenka. Daher sei den "Politsekten" im diesjährigen Bericht der Servicestelle Logo-Eso-Info viel Raum geschenkt worden. Diese Strömungen verbinden spirituelle mit rechtsextremistischen Inhalten: Oft solle eine einzelne "Führerperson" den Halt für die Suchenden verkörpern, viele der Gruppen seien von Intoleranz gegenüber anderen geprägt und sehr autoritär organisiert. Die Ideologie beinhalte meist eine Unterteilung in "gute" Menschen, die der Sekte angehören, und "die anderen, schlechten". Hier kämen immer wieder rechtsextreme, auch antisemitische Aussagen vor. In diesem Zusammenhang nannte er die anhaltend schwierige Arbeitsmarktsituation und die Wirtschaftskrise als Unsicherheitsfaktoren, die mehr Menschen - vor allem Jugendliche - das System kritisch hinterfragen ließen und sie damit für die Ansichten politisch-ideologischer Gruppen offen machen könnten. Satanistische Strömungen hätten hingegen an Bedeutung verloren und seien kaum mehr ein Sprachrohr des Protestes.
Fundamentalistische Gruppen aus dem religiösen Bereich, die meistens von extremistischen Standpunkten und einer Tendenz zur Demokratiefeindlichkeit geprägt sind, seien in der Steiermark meist christlichen Ursprungs, einige auch muslimisch, meinte der Grazer Experte. Esoterische Bewegungen dürften "nicht pauschal verurteilt werden", so Schweidlenka. Es gebe auch harmlose Gruppen. Gleichzeitig warnte er vor jenen Sekten, die in Reaktion auf die mediale Kritik der vergangenen Jahre versuchen würden, sich als "harmlos" zu profilieren, es jedoch nicht seien.
Jugendlandesrätin Elisabeth Grossmann (S) betonte bei der Pressekonferenz, dass "die Jugend sehr viel besser ist, als ihr Ruf." Die Gefahr durch Sekten und ähnliche Bewegungen beschränke sich auf eine kleine Gruppe. Schweidlenka erklärte, die meisten Gruppierungen seien in der Steiermark "sehr klein" (10-100 Leute). Trotzdem müsse man die Anwerbungsaktivitäten beobachten und die Bevölkerung weiter aufklären.
Anlaufstelle für Jugendliche
Die Servicestelle "Logo-Eso-Info" ist Anlaufstelle für Jugendliche, die sich über bestimmte Gruppierungen informieren wollen. Das Info-Angebot, das unter anderem Broschüren über rechtsextreme Symbole beinhaltet, werde aber auch von Eltern, Lehrern und Jugendsozialarbeitern genutzt.













