Emsiges Arbeiten an Mörbisch-Kostümen
Rund 50 Solisten-Gewänder für "Zarewitsch" werden in Graz genäht - Vom Hut bis zum Stiefel wird alles neu gemacht.

Foto © APADerzeit wird letzte Hand an rund 50 Outfits für die Operette 'Der Zarewitsch' gelegt
Die Werkstätten der Grazer Theaterservicegesellschaft "Art + Event" fertigen heuer nicht nur das Bühnenbild, sondern auch die Solistenkostüme für die Festspiele in Mörbisch an. Derzeit wird letzte Hand an rund 50 Outfits für die Operette "Der Zarewitsch" gelegt, wobei alles nicht nur schnell gehen, sondern auch strengen Kriterien in Bezug auf Verarbeitung und Wettertauglichkeit genügen muss.
Für das Bühnenbild haben die Grazer Werkstätten bereits im März den Zuschlag bekommen, nun werden auch die Kostümentwürfe von Rolf Langenfass in stoffliche Realität umgesetzt. Dabei gilt es andere Dinge zu beachten, als es normalerweise bei Theaterkostümen der Fall ist: "Die Materialien müssen wasserfest sein, die Hüte sollen nicht zu leicht sein und die Schuhe müssen einen gewissen Durchmesser haben, da die Seebühne Löcher zum Abfließen des Wassers hat", schilderte die Leiterin der Kostümwerkstätte, Claudia Goll, im APA-Gespräch. Zusätzlich werden in die Säume der Kleider Bleibänder genäht, damit nicht jeder Windstoß ungewollte Einblicke bietet.
Viel Zeit blieb für die komplizierte Arbeit aber nicht: Ende April erfolgte die Ausschreibung, bei der Langenfass die Entwürfe und die handwerklichen Vorgaben präsentierte, im Mai gab es die Zusage. "Dann mussten wir sofort das Material bestellen, denn eine Woche später war bereits die erste Anprobe in Wien angesetzt", erzählte Goll.
My Fair Lady im Vorjahr
Im Vorjahr entstanden hier die Solistenkostüme zu "My Fair Lady". Diesmal werden allerdings nur 15 Damenkostüme gefertigt, der Rest sind großteils Uniformen. In Franz Lehars bittersüßer Liebesgeschichte um einen russischen Thronfolger gibt es eigentlich nur zwei Damen von einiger Bedeutung, nämlich die Tänzerin Sonja, an die der Zarewitsch sein Herz verliert, und die Bedienstete Mascha. Sonja wechselt zwar mehrmals das Kostüm, unter anderem erscheint sie in einem silberglänzenden Abendkleid. Das Prunkstück der Grazer Ausstattung ist aber der Mantel des Zarewitsch: Ein Traum aus Goldbrokat und weißem Pelz, der für die Fernwirkung in Mörbisch fast vergeudet scheint. Doch dem ist nicht so: "Es gibt Leute, die schauen mit dem Operngucker ganz genau und schreiben dann Leserbriefe, wenn Details nicht stimmen", schilderte die Werkstätten-Chefin.
Detailgenau müssen auch die verwendeten Orden sein, die zum Teil aus dem Fundus stammen, zum Teil nachgegossen wurden. "Da muss man sehr aufpassen, weil das Stück ja in Russland spielt", beschrieb Goll. Einfach irgendwelche Blechteile an die Uniformen heften geht nicht, da eben manch einer doch genau schaut und so etwas spätestens bei der Wiedergabe im Fernsehen auffliegen könnte.
Übrigens: Nur die Solisten werden jedes Jahr neu ausstaffiert, das Ballett und der Chor bekommen Kostüme aus dem Fundus. Dorthin wandern auch die neuangefertigten Teile nach der Spielsaison, können von den Mörbischer Festspielen aber immer wieder ausgeliehen werden. Bis zur Premiere werden die neuen Kleidungsstücke gehegt und gepflegt, die Schleppen bleiben in Plastik verpackt, um nicht schon vorher unansehnlich zu werden. Die Schonzeit endet aber am Eröffnungsabend: "Dann werden sie den Naturgewalten überlassen", so Goll.














