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Zuletzt aktualisiert: 27.06.2010 um 05:19 UhrKommentare

Frau wegen Arbeit dauerhaft behindert

Ausgerechnet im Bereich der Kages wurden ärztliche Anweisungen zur Schonung nach einer Operation ignoriert. Die Folgen: Eine dauerhafte Behinderung einer Angestellten.

Foto © Helmut Weixelbraun/Sujet

Sie ist 48 Jahre alt. Sie ist Alleinerzieherin, hat zwei Kinder. Und seit dem Jahr 2008 ist sie begünstigt behindert. Die Ursache ein Schiunfall. Die Schulter war gebrochen. Aber den Rest hat ihr erst die Zeit danach gegeben.

Christine L. arbeitet in der Wäscherei des Landeskrankenhauses in Graz. An die Rückkehr nach der Operation denkt sie heute nur noch mit Schaudern zurück. Es gab strenge Auflagen der behandelnden Ärzte: keine schweren Lasten, die Arme nicht über den Kopf heben, schonen. Der Vorgesetzte sah es anders, drohte mit rechtlichen Schritten. Die Kündigung stand im Raum.

Frau L. stand als Alleinerzieherin unter Druck und gehorchte. Sie wurde an die Maschinen gestellt, musste arbeiten, als wäre nichts geschehen. Der Betriebsrat intervenierte. Vergeblich. Die Schmerzen waren unerträglich, den Arbeitstag konnte Frau L. nur mit Morphium überstehen.

Und: Die Schulter konnte nicht heilen. Eine zweite Operation, eine dritte waren die Folge. Und die Einstufung als begünstigt Behinderte, als letzter Ausweg. Dieses Mittel führte endlich zum Ziel. Frau L. macht heute nur noch leichte Arbeit. Was blieb, ist die Behinderung. Und Kosten: für Therapie, für Hilfe im Haushalt, für Medikamente.

Frau L. wandte sich an die Kages-Geschäftsführung mit dem Antrag auf Schmerzensgeld in Höhe von 7.000 Euro. Es kam sogar zu einer Sitzung mit Kages-Vorstand Werner Leodolter, gemeinsam mit anderen Beschäftigten, die der Betriebsrat mit ihren Anliegen unterstützte. Leodolter sagte zu: Alle Ansprüche würden geprüft. Frau L. schöpfte Hoffnung und wartete.

Umsonst. Im März dieses Jahres wurde ihr mitgeteilt, das Verfahren sei ruhend gestellt. Der Grund dafür: Man habe den Vorgesetzten kontaktiert, und für den sei alles in Ordnung. "Daher sehen wir keinen Grund, ein Sachverständigengutachten einzuholen."

Frau L. war verzweifelt. Der Vorgesetzte ist auch innerhalb der Kages umstritten und mittlerweile sogar suspendiert. Dennoch: "Wir bedauern, ein Fehlverhalten der Führung der OE Textilservices nicht erkennen zu können", teilte die Rechtsabteilung der Kages mit.

Noch einmal hinterfragt

Frau L. wandte sich an Ingrid Lechner-Sonnek von den Grünen, die viel Kontakt hat zu den Mitarbeitern der Kages. Sie ist entsetzt: "Was ist das für ein Umgang mit den Menschen?" Noch dazu, wo Frau L. mittlerweile eine Stellungnahme des UKH vorliegt. Darin heißt es, die Patientin habe immer wieder angegeben, dass auf die ärztlich angeordnete Schonung kaum Rücksicht genommen wurde. Dass die Verletzung immer schlimmer wurde, "könnte auf diese Tatsache zurückgeführt werden".

Lechner-Sonnek sorgte dafür, dass Leodolter vom Fortgang des Verfahrens erfuhr. Und Leodolter, von der Kleinen Zeitung damit konfrontiert, sah tatsächlich Handlungsbedarf: "Ich habe das alles noch einmal hinterfragt und ein externes Gutachten beauftragt."

Das wird Frau L. freuen. Personal- und Rechtsabteilung der Kages haben es bisher nicht für nötig befunden, sie davon zu informieren.

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