Diskussion der vier Grazer Uni-Rektoren: "Zu Nachhaltigkeit verdammt"
"Die Unis sind zur Nachhaltigkeit verdammt" - damit hat Hans Sünkel, Rektor der Technischen Universität Graz, zusammengefasst, was im vergangenen Semester in einer Ringvorlesung im Rahmen von "Sustainability4U" aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet worden war.

Foto © Scheriau/Sujet
Am Mittwoch fand die abschließende Podiumsdiskussion aller vier Rektoren der Grazer Universitäten statt: Sie forderten gemeinsam die Politik auf, auch nachhaltig zu agieren und deshalb in den Bildungssektor zu investieren, statt dort zu sparen.
Als fast schon selbstverständlich sehen Sünkel und seine drei Grazer Amtskollegen Alfred Gutschelhofer (Karl-Franzens-Universität), Josef Smolle (Medizinische Universität) und Georg Schulz (Kunstuniversität) das Thema Nachhaltigkeit in punkto Gebäudebau, Mobilität und Gesundheit. Das Spektrum nachhaltigen Denkens weite sich aber immer weiter aus: "Die Auswirkungen lokaler Aktivitäten bleiben nicht lokal beschränkt, alles hat mit allem zu tun, deshalb muss man mehrdimensional denken," so Sünkel. Mit rund 300.000 Studierenden österreichweit hätten die Universitäten "die Zukunft zum Teil in der Hand, denn Studierende müssen nachhaltig denken - an ihre Zukunft in der Arbeitswelt."
Fatal wäre es nach Meinung der Rektoren im Bereich der Bildung zu sparen: "Finnland war ein armes Land, doch begann man in die Bildung zu investieren und heute sind sie ganz vorne. Portugal hingegen lebte von seinen Kolonien, verarmte dann über Jahrzehnte und muss nun wieder in sein Bildungssystem investieren. In Österreich würden wir etwa 20 Jahre brauchen, bis wir dort sind, wo Finnland heute ist," erklärte Sünkel.
Den Vorhalt aus dem Publikum, dass man zu wenig Lobbying und Öffentlichkeitsarbeit für eigene Interessen betreibe, konterten die Rektoren mit dem fehlenden Organisationsgrad: "Auch Studierende können Lobbying betreiben," aber man sei nun einmal als Uni nicht so gut organisiert wie eine historisch gewachsene Eisenbahnergewerkschaft. Zudem forderten die Hochschul-Chefs auch die "Abholschuld" der Bevölkerung ein - es würde genug geboten, um die Themen der Universitäten schmackhaft zu machen, nur das Interesse halte sich noch immer in Grenzen.
Nachhaltigkeitsplattform
Die vier Grazer Unis hatten sich im Vorjahr zur Nachhaltigkeitsplattform unter dem Label "Sustainability4U" zusammengeschlossen und die gemeinsame nachhaltige Universitätsentwicklung in den Leistungsvereinbarungen mit dem Wissenschaftsministerium vereinbart. Ziel ist es, gemeinsame Akzente zu setzen und Synergien optimal zu nutzen.
















