Singen ist keine Hexerei
Im dritten Anlauf sollte es endlich klappen: Am Mittwoch gibt Ian Bostridge mit einem Liederabend für den Musikverein sein Debüt in Graz.

Foto © Musikverein Graz/Simon FowlerIan Bostridge
Der angekündigte Auftritt des derzeit bedeutendsten englischen Tenor mit Joseph Haydns "Jahreszeiten" unter Nikolaus Harnoncourt bei der "styriarte" 2007 kam nicht zustande. Der Liederabend im Stephaniensaal fiel heuer im April der Aschewolke zum Opfer. Jetzt aber holt ihn Ian Bostridge nach und beendet am Mittwoch mit seinem längst überfälligen Graz-Debüt die 195. Konzertsaison des Musikvereins für Steiermark.
Gilt Ian Bostridge, der ausschließlich Lieder von Franz Schubert vortragen wird, längst als einer der besten Liedinterpreten, dessen sechs Schubert-CDs Maßstäbe setzten, so kam er doch erst über Umwege zum Gesang. Zunächst studierte er Geschichte und Philosophie in Cambridge und Oxford, wo er 1990 mit einer Arbeit über Hexenverfolgung promovierte: "Ich bin an Wissenschaftsgeschichte interessiert, und für mich waren die Hexenverfolgungen zwischen 1650 und 1750 eines der interessantesten Ereignisse in der Entwicklung der sogenannten Rationalität in frühmoderner Zeit."
Heller Tenor
Drei Jahre später gab er in der renommierten Wigmore Hall in London sein Debüt als professioneller Sänger. 1994 stand er beim Aldeburgh Festival erstmals auf einer Opernbühne - als Lysander in Benjamin Brittens "A Midsummer Night's Dream". Brittens Opernrollen und Vokalwerke spielten alsbald eine zentrale Rolle im Repertoire von Bostridge, dessen leichter, heller Tenor eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Timbre von Brittens Lebensgefährten Peter Pears hat.
Seine sehr britische, fast weiß gefärbte, nicht sonderlich voluminöse Stimme eignet sich auch für Händel und Mozart - als Don Ottavio im "Don Giovanni" gab er im Jänner 2006 unter Philippe Jordan sein Debüt an der Wiener Staatsoper. Moderne Komponisten schreiben gerne für diese außergewöhnliche Stimme: Hans Werner Henze oder der Brite Thomas Adès.
Trotz seiner Opernerfolge widmet sich Bostridge aber vor allem dem Lied: "Ich singe jetzt weniger Oper, weil ich nicht so lange von meiner Familie fernbleiben will."
Liederabend Ian Bostridge: 24. Juni, 19.45 Uhr, Graz, Stephaniensaal. Karten: Tel. (0 31 6) 82 24 55.
Features
ZUR PERSON
Ian Bostridge, geboren am 25. Dezember 1964 in London.
1990 Promotion in Oxford.
1994 Operndebüt in Edinburgh.
1996 Exklusivvertrag mit EMI.
2006 Debüt an der Wiener Staatsoper als Don Ottavio in Mozarts "Don Giovanni".

















