Edlinger vor Frühjahrsputz im Sommer
Der Grazer Parteitag der SPÖ tagte und hat gequält eine neue Vorsitzende geboren. Die Kür Elke Edlingers stand allerdings unter keinem guten Stern.

Foto © FuchsLandesrätin Bettina Vollath, zwischendurch selbst als Graz-Chefin im Gespräch: Auf ihr ruht die Last, dass sie zwischen den beiden Lagern in der SPÖ vermitteln sollte
Nur sieben Stimmen Vorsprung auf Wolfgang Riedler - das trieb nicht nur der "Siegerin" die Blässe ins Gesicht.
Es war auch sonst eine skurrile Veranstaltung. Zwei "Brandreden", die demonstrativ emotionslos vorgetragen wurden. Vor lauter Bemühen, nur ja keine Gräben aufzureißen, wurde trotz der bevorstehenden Kampfabstimmung jede Diskussion im Keim erstickt. "Moralische Größe" nannte das später Altbürgermeister Alfred Stingl. Mit den Statements von Riedler und Edlinger sei inhaltlich ohnehin alles gesagt gewesen. Dass die jeweiligen Anhänger nicht gegeneinander ins Feld zogen, ließ zwischendurch eine Schein-Lockerheit aufkommen, doch nach Bekanntwerden des Ergebnisses fiel die Temperatur um einige Grad. Spätestens jetzt fühlte sich die Verliererfraktion - fast die Hälfte der Delegierten - als Lager: sichtbar mächtig und doch verstoßen.
Der Niederlage folgte der Rausschmiss, kurz und schmerzlos. Zwei Minuten hatten die Vorstandsmitglieder Zeit, über die ihnen von Edlinger präsentierte Präsidiumsliste nachzudenken, resümiert ein Vorstandsmitglied frustriert. In der Not frisst der Teufel Fliegen: Sämtliche Präsidiumsmitglieder inklusive der Parteiobfrau-Stellvertreter bekamen im Vorstand zwischen 85 und 95 Prozent der Stimmen, obwohl keiner aus der Riedler-Fraktion aufrücken durfte.
Dies dürfte kaum als Freundschaftsdienst verstanden werden, trotz aller Beteuerungen, die Gräben zu schließen. Edlinger hat wohl aus der Erfahrung ihres Vor-Vorgängers Walter Ferk gelernt, der es verabsäumt hatte, nach seinem damaligen Sieg die unterlegene Tatjana Kaltenbeck blitzartig zu entfernen. Auch Riedler hatte vor zwei Jahren versäumt, zuerst auszuputzen, dann erst wieder zu versöhnen. Diesmal hätte allerdings auch er Klarschiff gemacht, aber er kam nicht mehr dazu. Dass Riedler jetzt gehen muss, ist allen klar. Stingl war dennoch betrübt: "So gut ist die Grazer SPÖ nicht aufgestellt, als dass sie diesen Abgang so locker verkraften könnte."
Die Delegierten waren am Freitag nur bei einem einzigen Tagesordnungspunkt locker - es ging um die Kleinigkeit von Name und Logo der Partei, und eigentlich hätte der Antrag auf Rückkehr der "Sozialen" zum Namen SPÖ dem neuen Vorstand übermittelt werden sollen. Aber der Jungspund Johannes Swoboda, Sprecher der Sozialistischen Jugend in Graz, schritt ans Rednerpult und beantragte, gleich abzustimmen: "Das ist so wichtig, das soll nicht der Vorstand, sondern der Parteitag entscheiden." Spontaner Jubel, die Delegierten gaben ihm recht. Innerhalb weniger Minuten war aus den Sozialen wieder eine SPÖ geworden, und die teuren neuen Drucksorten werden versenkt!
Keiner der Grazer Landtagsabgeordneten ist vorerst im neuen Präsidium der Partei vertreten, es könnten aber noch welche kooptiert werden. Unter Riedler wäre Martina Schröck, Sozialsprecherin im Landtag, sogar als Stellvertreterin vorgesehen gewesen und auch als Stadträtin in Frage gekommen, jetzt wird es eng. Landesrätin Bettina Vollath, zwischendurch selbst als Kompromiss-Variante im Gespräch, ist die einzige unter den Edlinger-Stellvertretern, die mit beiden Teilen der gespaltenen Partei gut kann. Wenn jemand Edlinger dabei helfen kann, die Gräben zuzuschütten, dann sie.
Am 28. Juni gibt es schon wieder ein Match - jenes gegen den SP-Bezirk Graz-Umgebung beim Wahlkreisparteitag, bei dem es auch um das Mandat von Landtagspräsident Kurt Flecker geht. Man darf gespannt sein, ob für Edlinger die Verwendungszusage Riedlers gegenüber Parteichef Franz Voves in Bezug auf einen letzten Listenplatz für Flecker noch gilt. Sie bat um Verständnis: "Ich war ja nirgends dabei. Ich muss jetzt einmal schauen, wer wirklich was ausgemacht hat."
















