Andritz liefert Ausrüstung für Wasserkraftwerk Ilisu
Steirischer Anlagenbauer wird trotz herber Kritik die Turbinen für das umstrittene türkische Staudammprojekt Ilisu liefern.

Foto © Kanzler
Die Grazer Andritz AG hat sich nun definitiv entschlossen, die elektromechanische Ausrüstung für den Tigris-Staudamm im südosttürkischen Ilisu zu liefern. Im Laufe von sieben Jahren wird die Andritz Hydro, die aus der ehemaligen Weizer VA-Tech hervorgegangen ist, sechs Francis-Turbinen mit je 200 Megawatt Leistung, Generatoren, Zusatzausrüstungen sowie Engineeringleistungen im Auftragswert von 340 Millionen Euro liefern. Es seien nun "nach der zwischenzeitlichen Suspendierung der Lieferverträge sämtliche Voraussetzungen für die Wiederaufnahme geschaffen", der Auftrag könne voraussichtlich noch vor Ende Juni verbucht werden, teilte das Unternehmen gestern mit.
Die Wasserkraft-Tochter der Andritzer beschäftigt in Österreich 1700 Personen, davon 900 in Weiz sowie weitere 250 in Graz. Federführend beim Staudammbau ist aber die türkische Firma Nurol, zum Lieferkonsortium gehören laut Andritz weitere europäische und türkische Firmen. Das Projekt, das ab 2015 Strom für schlussendlich zwei Millionen Haushalte liefern soll, ist seit seiner Ankündigung heftig umstritten. Umweltgruppen wie der WWF oder nichtstaatliche Regierungsorganisationen wie ECA Watch kritisieren einerseits den Eingriff in das Ökosystem der Region, andererseits müssten Tausende Menschen umgesiedelt werden und die historische Stadt Hasankeyf würde untergehen.
ECA und WWF drohen Andritz daher mit "Konsequenzen". Konkret werde man "verstärkt kommunizieren, was Andritz tut", sagte Ulrich Eichelmann von der "Stop Ilisu"-Kampagne bei ECA. Der Anlagenbauer müsse damit rechnen, von internationalen Nicht-Regierungsorganisationen in einem Atemzug mit "wirklich schlimmen Firmen" wie Exxon und als "Symbol für Profitgier" genannt zu werden. Eichelmann wirft Andritz vor, sich mit der Lieferung für das Projekt Ilisu an einem Projekt zu beteiligen, bei dem gegen europäische Standards verstoßen werde.
Baumaterialreserve
Andritz-Chef Wolfgang Leitner hält demgegenüber Ilisu für ein besonders modernes Kraftwerk mit hoher sozialer Absicherung. Über die Umweltverträglichkeit des neuen Großstaudamms wolle er sich nicht äußern, dazu gebe es die türkischen Prüfungen. Aber das historische Erbe der Stadt Hasankeyf sei erst im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit, seitdem dort ein Staudamm geplant sei. Davor war der Ort "weder als Wiege der Menschheit noch als archäologisch besonders wertvoll" eingestuft, die Steine seien als Baumaterialreserve genutzt worden, so Leitner. Ohne Eingriffe wäre Hasankeyf wohl in einem Jahrzehnt verschwunden gewesen.


















