Gestalter auf Uni-Boden und in der Politik
Christian Brünner, Universitätsprofessor und Politiker, wird emeritiert. Über den Tellerrand Österreichs blickte er schon als Schüler.

Foto © KLZ Digital/ScheriauBrünner beschäftigt sich seit einigen Jahren auch mit Weltraumrecht
Mein Wunsch war es immer, zu gestalten. Die Universität zu gestalten, und die Gesellschaft zu gestalten." Christian Brünner sitzt in seinem kleinen Zimmer im großen Resowi-Zentrum der Uni. Die überbordenden Bücherstapel, die aktuellen Symposien-Plakate lassen nicht erkennen, dass er die lange Uni-Karriere ein Ende findet. Doch der gebürtige Obersteirer aus Mürzzuschlag wird emeritiert, am 17. Juni gibt es dazu ein Symposion.
Brünner war und ist ein Grenzgänger. Als er sich 1959 als Schüler am Bundesrealgymnasium Bruck/Mur entschloss, mit einem Stipendium in die USA zu gehen, unterstützte ihn vor allem seine Mutter. "Der Aufenthalt hat mich sehr geprägt". Während er sich auf die US-Matura vorbereitete, entdeckte Brünner das Thema Völkerverständigung. Statt daher, wie ursprünglich geplant, an die Montan-Universität zu gehen, wandte sich der zweifache Maturant (in Bruck) daher dem Jus-Studium zu. Demnächst will er zur 50-jährigen Maturafeier nach Minneapolis fliegen.
Nach einem erfolgreichen Studium und einer steilen Karriere an der Uni wurde er bald Hochschulfunktionär, Professor, Dekan und dann Rektor (1985-1989). Als Rektor wurde Brünner - unüblicherweise - nicht nur wiedergewählt, sondern erlebte heftige Studentenproteste. Sein Rektorat wurde wochenlang besetzt. Brünner war dann der erste Rektorenchef Österreichs, der nicht aus Wien kam.
Brünner brachte insgesamt frischen und in die steirische Hochschullandschaft: "Mir war immer wichtig, die Universitäten zu öffnen." Mit ihm begann erstmals eine kontinuierliche Medienarbeit einer steirischen Universität.
Das kam nicht von ungefähr: Brünner hatte in den 60er-Jahrren die "Aufbruchstimmung nach dem Konzil" erlebt, er war in der Katholischen Hochschulgemeinde aktiv und verfolgte intensiv die Kreiskysche Öffnung der Unis.
Nach seinen Rektoratsjahren ging Brünner 1990 dann aber in "hohe Politik". Als Parteiloser saß er für die ÖVP im Nationalrat und gestaltete dort mit. Die Gründung der Fachhochschulen, das Uni-Gesetz 93, das Thema Gleichberechtigung auf Uni-Boden - als ÖVP-Wissenschaftssprecher wurde seine Handschrift immer wieder sichtbar.
Doch das Parteikorsett behagte Brünner nicht. Oft stellte er sich spektakulär gegen die eigene Partei - das konnte nicht gut gehen. 1994 wurde er nicht mehr auf einen sicheren Listenplatz gesetzt. 1996 fand er dann eine neue Heimstadt: die Liberalen im Land. Brünner wurde Klubobmann und musste nun plötzlich seine Schäfchen zusammenhalten. Eine Zeit lang war der leidenschaftliche Parlamentarier auch Leiter des Kontrollausschusses.
Als er nach der verlorenen Wahl vor zehn Jahren an die Universität Graz zurückkehrte, war er eigentlich nie gegangen. Seine Lehrverpflichtungen hat Brünner immer erfüllt. Allerdings wurde es nun ruhiger um ihn. Sein neues "Steckenpferd", das Weltraumrecht, war doch eher ein Randthema. Wichtiger sind schon seine Aktivitäten rund um die Qualitätssicherung der Universitäten und um Religionsfragen.
Die Familie ist ein Fixpunkt in seinem Leben, aber Hobbys? Tja, da blieb nicht viel Zeit dafür, räumt Brünner nachdenklich ein.

















