Klagsflut gegen Grazer Bauträger
Eigentümer eines Wohnprojekts in Graz klagen Bauträger vor Gericht. Jahrelang verwehrte man ihnen Grundbucheintrag. Auch gegen Notar ist Prozess anhängig. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.

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Seit dem Einzug in ihre Wohnungen des Projekts Schwimmschulkai 94 in Graz im Jahr 2006 herrscht bei den Eigentümern Ärger und Frust über den Grazer Wohnbauträger "Artebau GmbH". Von gemütlichem Wohngefühl jedenfalls keine Spur. Lange Listen über jahrelang nicht behobene Baumängel beschäftigen nicht nur Baufirmen, sondern längst auch das Gericht. Der Gipfel: Den Eigentümern sind jahrelang ihre Eigentumsrechte vorenthalten worden.
Die Liste der Missstände habe es laut Bewohnern in sich. Einige Beispiele: eine Heizungsanlage, laut Bauprospekt und Bauplänen vorgesehen, sei einfach eingespart worden, indem man das Haus an das Nachbarhaus "anhängte"; Allgemeinflächen, die nachträglich als Parkplatz verkauft worden seien; Doppelverkäufe, strittige Servitutsrechte . . .
Sechs Wohnungseigentümer prozessieren mittlerweile gegen Artebau-Geschäftsführer Richard Staudegger und werfen ihm Betrug vor. Auch die Staatsanwaltschaft Graz prüft. Es gilt die Unschuldsvermutung.
"Die größte Sauerei ist, dass uns der Bauträger zusammen mit dem Notar seit Jahren die Eigentumsrechte an unseren Wohnungen nicht übertragen hat", so ein Betroffener. Obwohl die Eigentümer mit Bezug ihrer Wohnungen auch je rund 300.000 Euro als Kaufpreis überwiesen hätten, habe der vom Bauträger eingesetzte Notar Roland Bonora eine auf die Volksbank Graz-Bruck laufende Pfandurkunde in Höhe von 499.200 Euro jahrelang nicht gelöscht.
"Wir leben seit Jahren in unseren gleich bezahlten Wohnungen, aber sie gehören uns gar nicht. Wir sind als Eigentümer enteignet", so eine weitere verzweifelte Bewohnerin zur Kleinen Zeitung. Alle Aufforderungen und Gerichtsprozesse hätten Bauträger und Notar kalt gelassen. Erst der Druck, die Missstände öffentlich zu machen, brachte ein "plötzliches Umschwenken": Letzte Woche wurde das Pfandrecht plötzlich doch gelöscht.
Gegen den Notar läuft ebenfalls eine Klage vor Gericht. Zudem ist die Revisionsabteilung der steirischen Notariatskammer "dabei, diese Sache zu prüfen". Notar Bonora kommentiert kurz: "Da ich von der Verschwiegenheitspflicht nicht entbunden bin, sage ich nichts."
Und Artebau-Geschäftsführer Richard Staudegger begründet sein Vorgehen so: "Die Löschungsquittung wurde 2006 ausgestellt und dem Notar übergeben. Da gab es aber noch Außenstände der Herrschaften. Hätten sie nicht den Gerichtsweg beschritten, wären sie schon seit 2008 im Grundbuch."
Und die übrigen Vorwürfe? Seien unbegründet und zum Teil auf Änderungswünsche der Eigentümer zurückzuführen.
Prozessfortsetzung am 10. Juni.
















