Er steht bereits im WM-Finale
Vom Klosterschüler zum erfolgreichen Tausendsassa. Gerhard Kapl wird die nächsten sechs Wochen als Fifa-Security-Officer bei der Fußball-WM in Südafrika im Einsatz sein.

Foto © GEPAAuf den Stadion-Tribünen dieser Welt ist Gerhard Kapl zu Hause. Die nächsten sechs Wochen ist er für die Fifa im WM-Einsatz in Südafrika
Das graue Haar sitzt stets perfekt, die Krawatte und das Sakko ebenso. Seinen Job als Leiter der Landesbuchhaltung erledigt er seit 16 Jahren mit einer Akribie, die andere manchmal schon beängstigend finden. Für ihn ist es normal, dass er um 23 Uhr noch in seinem Büro sitzt.
Für ihn ist es aber auch normal, beinahe 600.000 Meilen pro Jahr im Flugzeug zurückzulegen, um für die Fifa und die Uefa Stadien zu inspizieren, als Delegierter oder als Security-Officer für einen geordneten Ablauf von wichtigen Fußballspielen zu sorgen, oder als "Chefankläger" die Großen des Fußballs für etwaige Vergehen zur Rechenschaft zu ziehen. Und weil ihm das noch nicht reicht, lenkt er seit 1999 als Präsident erfolgreich die Geschicke des steirischen Fußballverbandes. Er, das ist Gerhard Kapl, Hofrat, doppelter Doktor, nach Eigendefinition einst ein "Streber" und heute ein Workaholic.
Kapl erfüllt seine Ämter mit Sorgfalt und Liebe, nur das Wort Workaholic kommt ihm nicht mehr so leicht über die Lippen wie früher. Denn auch wenn es Kapl gewohnt ist, im Rampenlicht zu stehen, das Leben als Arbeitstier hat auch Schattenseiten.
Schuss vor den Bug
Vor zwei Jahren gab es den ersten Schuss vor den Bug des gebürtigen Oberösterreichers, der schon früh seinen Vater verlor und der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Vier Bypässe hat er in einer schweren Herzoperation bekommen. 35 Kilo mussten runter. "In so einer Phase beginnt man, über den Sinn und Zweck des Lebens nachzudenken", gesteht der 64-Jährige. Seine Stimme klingt nachdenklich. Und oft "vergessen" Workaholics auch die Menschen, die einem am nächsten stehen. "Das war auch bei mir so", gibt der Vater von drei erwachsenen Kindern unumwunden zu. "Die Familie ist oft zu kurz gekommen, darunter hat auch die Beziehung zu meiner Frau gelitten." Vor einigen Monaten hat man sich deshalb getrennt und der berufliche Tausendsassa muss gestehen, dass "ich in einem zweiten Leben mein Privatleben anders gestalten würde".
Nichts anders machen würde Kapl, wenn es um den Beginn seines Lebensweges geht. Im Gymnasium im Kloster Schlierbach biss sich der "Streber" mit Bestnoten durch. "Wir hatten im Internat nur kaltes Wasser und in den Schlafsälen keine Heizung, aber es war die einzig leistbare Mittelschule für meine Mutter", erinnert sich der dreifache Großvater.
Exzellenter Ruf
Nach der Matura ging es zum Studieren nach Graz, und weil er damals auch schnell erkannte, dass es ihm als Fußballer nicht zu Ruhm und Glanz gereichte, wechselte Kapl das Fach - als Schiedsrichter machte er sich rasch einen guten Namen und blieb auch nach der aktiven Karriere dem Sport erhalten.
In den Machtzentralen des internationalen Fußballs, bei der Fifa und der Uefa, genießt der Steirer einen exzellenten Ruf. Der Lohn: unzählige Einsätze als Delegierter oder Sicherheitsverantwortlicher. Uefa-Cup-Finale 2009, Champions League-Endspiel 2005, WM-Finale 2006 - die eindrucksvolle Einsatzliste ließe sich noch lange fortführen.
Jetzt ereilte den Duzfreund von Fifa-Boss Joseph Blatter neuerlich der Ruf des Weltverbandes. Die nächsten sechs Wochen wird Kapl bei der WM in Johannesburg als Security-Officer im Soccer City Stadion für einen reibungslosen Ablauf der Spiele sorgen. Und damit steht er bereits jetzt als erster Final-Teilnehmer dieser Endrunde fest, denn auch das Endspiel findet unter Kapl'scher Patronanz statt.
Features
ZUR PERSON
Gerhard Kapl
Geboren am 11. November 1946 in Wels
Die Ämter: Leiter der Landesbuchhaltung, Mitglied des ÖFB-Präsidiums (Leiter Schiedsrichterkommission sowie Stadion und Sicherheit), Präsident des steirischen Fußballverbandes, Chefankläger und Delegierter der Uefa, Security-Officer der Fifa.
















