Hex' and the City
Franz Wittenbrink am Schauspielhaus: mehr Stückwerk als Stück.

Foto © Susanne Weber
W enn's regnet, dann pladdert's", übersetzte Franz Wittenbrink im Entschuldigungs-Prolog die Uraltregel ins Norddeutsche, wonach es, wenn's kommt, ganz dick kommt. Und die Hex' saß diesmal wirklich drauf: Bei Verena Lercher erwischte es im Vorfeld die Bänder und bei Susanne Weber gar so sehr die Stimmbänder, dass die Premiere verschoben werden und Anne Weber aus München einspringen musste.
"Fehlt also quasi nur das Sus-", scherzte Wittenbrink. Es war dann aber doch weit mehr. Der 61-jährige Regisseur röntgt mit seinen ungewöhnlichen Liederabenden stets tief gehend die Gesellschaft. So auch 2008 mit "Nix wie weg!" in Graz mit Träumen von privaten Paradiesen. "Ein Theaterstück nur mit Musik. Geht das? Und wie!", urteilten wir damals. Diesmal geht's nur mit Hinken, und dafür kann weder Verena Lercher etwas, die nach ihrer Verletzung auf der schrägen Bühne (Jörg Kiefel) tapfer durchhielt, noch Weber noch Jaschka Lämmert.
Wie Großstadthexen (freche Kostüme: Tanja Kramberger) spielen und singen sie das Lied vom Tod. Nicht nur von Morricone, aus dem Jenseits-Wurlitzer auch von Lennon, Weill, Rühm u. v. a. Ein heißes Nina-Hagen-Cover (Lercher) und Carole Kings "Natural Woman" im Trio werden zu Hits im Song Contest: zwölf Punkte. Deutlich über der Schmerzgrenze jedoch liegen die Jederfrauen bei Purcell, Pergolesi & Co im "klassischen" Fach.
Maria Serafin (Cello) und Theocharis Feslikidis (Piano) liefern von links und rechts feine Stereofonie. Gustav Koenigs muss nach einer Elvis-Persiflage wie Don Giovanni in die Hölle fahren, Steffi Krautz verwandelt als Taubenfütterin "Satisfaction" subtil in ein Memento mori. "O Mensch! Gib acht!", heißt es ja auch in Nietzsches "Zarathustra", aus dem der Stücktitel stammt. Der oft zu lärmigen Revue fehlt allerdings der Kitt, um eine morbid-lustvolle (Frauen-)Geschichte erzählen zu können.
















