Graz wurde zum großen Sportplatz
Im Herzen von Graz gaben am Sonntag Hobby- und Profisportler den Ton an. An 71 Ständen konnten sich die Besucher informieren und sportlich betätigen.
Feiertag des Sports: Beschäftigung für Turnschuhe
Lorenz kommt ordentlich ins Schwitzen. Voller Körpereinsatz ist gefragt. Der 12-Jährige erklimmt schließlich - mit baumelndem Sicherungsseil im Rücken - die Kletterwand und befindet sich quasi auf Augenhöhe mit Erzherzog Johann am Grazer Hauptplatz. "Boa, super", grinst er, wieder herunten. Sein Motto: "Ich probier' heute alles aus. Wichtig ist nur, dass es schnell oder schwierig ist", erklärt er.
Die Auswahl war wohl groß genug. Denn: die Grazer Innenstadt hatte sich am Sonntag am "Feiertag des Sports" in einen überdimensionalen Sportplatz verwandelt. Es wurde gehupft, gelaufen, gekickt, getanzt . . . - man konnte glatt meinen, Bewegungsmuffel sind hierzulande selten. So kamen, trotz teils verregnetem Wetter, zehntausende Besucher zum großen Sportfest. Sie informierten sich an 71 Ständen über 100 verschiedene Sportarten oder probierten diese gleich am eigenen Leib aus. Vor allem die jungen Gäste schöpften diese Gelegenheit voll und ganz aus.
Wie Nicolas. Der Vierjährige allerdings hat kurzfristig Probleme mit der Navigation. Er flitzt die Rodelbahn in der Sporgasse hinunter bis zum ungeplanten Boxenstopp im zweiten Heuballen links. Mit etwas Schubkraft - in Person von Dieter Apolloner, Vizeweltmeister im Naturbahnrodeln - findet er zurück auf die Bahn. Der Papa in der Zielgeraden ist stolz.
Eine Kanufahrt mit Oma
Gleich ums Eck sorgen spektakuläre Sprünge für Staunen. Der Trail-Bike-Weltmeister Thomas Öhler hüpft am Fahrrad auf und über Hindernisse. Auf der Bühne am Hauptplatz wiederum verschenkten Vertreter der Fußball-Nationalteams von England und Japan Karten für das Länderspiel am Nachmittag in Graz.
Egal, ob Profi oder Hobby-Sportler, es war der Spaß an der Bewegung, der zählte. "Es geht nicht ums Können, sondern um die Sportbegeisterung. Die Besucher sollen einen Tag lang ausprobieren, was es alles gibt", meint Organisator Rudi Hinterleitner. Hilfestellung boten dabei rund 1500 Sportler und Vereinsmitglieder. Das passende Pflaster war mit insgesamt 4,1 Kilometer Sportpiste und 4000 Quadratmetern Spielfeld gegeben.
In der Herrengasse standen etwa der Kampfsport Capoeira und American Football samt Cheerleading am Programm. Daneben wurde auf einer Sprint-Bahn dahingewetzt. Die Kleinen wuselten, was das Zeug hält, und auch einige Väter konnten dem Zieleinlauf nicht widerstehen.
Ein weiteres Highlight: Fußballspielen auf einer Riesenhupfburg in gut fünf Zentimeter hohem Wasser: Water Soccer nennt sich der nasse Spaß.
Feucht-fröhlich ging es auch im Brunnen am Eisernen Tor zu: Eine Kanufahrt kann eine wackelige Sache werden. Gut zehn der bunten Miniboote schwankten dort samt rudernden Insassen im Kreis. "Wir sind hier, um unser Enkerl für Sport zu begeistern", erzählt Heinz Setscheny aus Burgau und beobachtet die vierjährige Lisa am Schoß ihrer Oma im Kanu. "Ein bisserl anstrengend is' es schon", bemerkt diese, während sie zwischen den anderen Booten hindurchnavigiert.
Eishockey und Tanz
Gefroren war der Untergrund im Landhaushof. Auf einem Eislaufplatz luden Spieler der 99ers zu einer Partie Eishockey, bevor junge Eiskunstläufer die Fläche graziler in Anspruch nahmen. Apropos grazil: Im Generalihof zeigten Tanzprofis Jive und Co vor. Mitmachen in Sachen Tanz war zudem beim Flashmob am Hauptplatz gefragt.
Bei wem die Freude an der Bewegung nicht durchs Zuschauen aufkam, der wurde möglicherweise anders angespornt. "Ich muss an meinem Gleichgewicht arbeiten", lernt der Student Paul Rouschal beim Fitnesscheck des Instituts für Sportwissenschaften. Resümee: "Die Sportbegeisterung heute müsste man bloß auf andere Tage übertragen."

















