Zweikampf in SPÖ ist voll entbrannt
Roter Machtkampf: Edlinger geht in eine offene Kampfabstimmung gegen den Grazer Parteichef Riedler. Ihre klare Kampfansage: "Wenn ich verliere, trete ich ab" - und übt dazu Selbstkritik: "Die SPÖ ist zu wenig wahrnehmbar - wir müssten schon viel weiter sein".

Foto © KanizajSchauen nicht mehr zusammen: Riedler und Edlinger
Hat sich Landeshauptmann Franz Voves schon bei Ihnen bedankt?
ELKE EDLINGER: Warum?
Weil Sie knapp vier Monate vor der Landtagswahl einen Grabenkampf in der Grazer SPÖ eröffnen. Ist das ein kluger Zeitpunkt?
EDLINGER: Ich halte es für gescheit, dass wir jetzt eine klare Entscheidung herbeiführen. Dann haben wir alle Chancen, Schwung für die Wahlbewegung aufzubauen.
Was läuft schief bei der SPÖ?
EDLINGER: Wir könnten uns weiter über die Dinge hinwegschwindeln und sagen 'Es läuft eh, wenn auch langsam'. Ich sage: Wir müssten schon viel weiter sein. Die zweieinhalb Jahre bis zur Graz-Wahl vergehen schnell. Daher müssen wir jetzt den Turbo einschalten und eine schonungslose Bestandsaufnahme machen.
Was macht Parteichef Wolfgang Riedler falsch?
EDLINGER: Ich will hier keine persönlichen Schuldzuweisungen machen. Der Punkt ist: Die SPÖ ist zu wenig wahrnehmbar und hat die Oppositionsrolle noch immer nicht gefunden.
Elke Edlinger
"Sollte ich die Kampfabstimmung verlieren, werde ich als Stadträtin abtreten. Dasselbe erwarte ich umgekehrt auch."
Dann umgekehrt: Was können Sie besser als Riedler?
EDLINGER: Ich schätze Wolfgang Riedler und halte ihn für einen brillanten politischen Kopf. Aber die SPÖ wäre gut beraten, teamorientiert vorzugehen. Wir müssen die Ressourcen besser nutzen. Um es in der Fußballersprache zu sagen: Ein Stürmer, der gut ist, darf nicht auf der Ersatzbank sitzen. Wenn wir als Team auftreten, gewinnen wir.
Viele wissen nicht, wofür die Grazer SPÖ steht. Wie wollen Sie die Partei positionieren?
EDLINGER: Wir brauchen taugliche Zukunftskonzepte für die Stadt und klare Konturen statt Worthülsen. In zwei Jahren sollen die Menschen drei Dinge sagen: Die SPÖ hat gute Ideen. Die SPÖ hat ein tolles Team. Und wir sind mit den Themen dort, wo die Sorgen der Menschen sind.
Das klingt aber verdammt stark nach Worthülsen.
EDLINGER: Nehmen wir das Beispiel Integration: Hier verdienen die Grazer eine klare Antwort der SPÖ. Es ist zu wenig, nur von den Vorteilen der Vielfalt zu sprechen. Wir müssen auch die Sorgen jener ernst nehmen, deren Kinder in Klassen mit Schülern mit einem hohen Migrationshintergrund gehen. Und dann müssen wir Konzepte entwickeln, diese Schulen zu unterstützen.
Sie haben eine klassische Parteikarriere hinter sich - Gemeinderätin, Landesgeschäftsführerin, Stadträtin. Ist das die Erneuerung?
EDLINGER: Ich habe viel Erfahrung, die jetzt hilfreich ist. Politik ist ein Job, den man können muss.
Braucht es neue Köpfe?
EDLINGER: Es werden da oder dort neue Menschen ins Team kommen. Aber ich richte niemanden etwas über die Medien aus.
Sollten Sie gegen Wolfgang Riedler verlieren - was dann?
EDLINGER: Dann werde ich als Stadträtin abtreten. Ein Vorsitzender muss sich sein Team selbst auswählen können.
Und sollten Sie gewinnen - gilt das auch für Riedler?
EDLINGER: Dasselbe erwarte ich umgekehrt auch, ja. INTERVIEW: GERALD WINTER
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Kommentar
Hintergrund
ZUR PERSON
Elke Edlinger wurde am 12. Juli 1970 geboren.
Sie war von 1998 bis 2008 SPÖ-Gemeinderätin in Graz, ab 2003 stellvertretende Klubobfrau. Von 2006 bis 2008 war sie Landesparteigeschäftsführerin.
Seit 2007 ist sie Vorsitzende der SPÖ Frauen Graz, seit 2008 ist sie Sozial- und Frauenstadträtin.
Fakten
Alfred Stingl. Der letzte rote Bürgermeister in Graz (1985-2003) war bis 1998 Parteichef.
Tatjana Kaltenbeck-Michl. Die streitbare Linkspolitikerin wurde 1998 Parteichefin.
Walter Ferk. Gewann 2001 die Urabstimmung gegen Kaltenbeck-Michl, verlor zwei Wahlen.
Wolfgang Riedler. Übernahm nach dem Wahldebakel 2008 (19,74 Prozent) von Walter Ferk.

















