Stübing: Der Zorn auf Wien
Chronik einer Entfremdung: Das in Not geratene Freilichtmuseum fühlt sich um Kulturgelder des Bundes betrogen. Die Ministerien sehen sich zu Unrecht kritisiert.

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Was wird aus Stübing? Diese Frage steht im Raum, seit der gestrige Exklusivbericht der Kleinen Zeitung die Finanznot des Freilichtmuseums aufgezeigt hat. Bis hinauf in den Nationalrat schlugen am Mittwoch die Wellen. Wobei die Debatte dort bezeichnend war: Die Appelle an die zuständigen Ministerien, sich ihrer Verantwortung zu stellen, verhallten weitgehend ungehört.
In Wahrheit ist nämlich das Österreichische Freilichtmuseum (ÖFM) seit Jahren zum Bittsteller vor den Wiener Pforten degradiert. Sitzungen werden nicht wahrgenommen, Geld wird nur nach intensiven Bittgängen überwiesen. "Es wird immer zäher", berichtet der Unternehmer Friedrich Santner, der ehrenamtlich im Vorstand des ÖFM-Kuratoriums werkt. "Für einige Tausend Euro Förderung muss in einer Weise herumtelefoniert werden, die wirklich schäbig ist."
Laut Santner gehöre jetzt endlich ein klares Bekenntnis zum ÖFM her. Das gilt auch für die Bundesländer: Alle neun sind formal beteiligt, echte Hilfe gibt es aber fast nur aus der Steiermark selbst. Volkskulturreferent Hermann Schützenhöfer wird im ÖFM als Unterstützer sehr gelobt. Andere Länder wollten sich still und leise verabschieden.
Veto aus Salzburg
Aktenkundig sind Versuche der Landeshauptleute Gabi Burgstaller (Salzburg) und Erwin Pröll (Niederösterreich), die aus dem Kuratorium austreten wollten. Das ÖFM ist jedoch eine gemeinsame Stiftung des Bundes und der Länder, die laut Stiftungsbrief "den immerwährenden Bestand" der architektonischen Kulturgüter zu sichern hat.
Auf den Tisch hauen will jetzt auch der Vorsitzende des ÖFM-Kuratoriums, Vizelandeshauptmann a. D. Kurt Jungwirth: Er rechnet vor, dass Stübing nur 0,27 Prozent des Bundesbudgets für Museen erhält. Die Unterstützung für das am wenigsten geförderte Wiener Museum - die Albertina - ist 32-mal höher als jene für Stübing. "Diese Relationen sind auf Dauer nicht auszuhalten", so Jungwirth. Er beharrt auf dem Standpunkt, dass Stübing "den Wert eines Bundesmuseums" habe. Bei der für Donnerstag anberaumten ÖFM-Sitzung will Jungwirth jeden Vertreter fragen, ob er bereit ist, eine "Finanzgarantie" für das Museum zu leisten. Der Erfolg wird endenwollend sein: "Wir können uns noch nicht festlegen, die Budgetlage ist schwierig", sagt etwa der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Hermann Muhr.
In Wien wurde am Mittwoch das BZÖ mit einem Antrag aktiv: Unterrichtsministerin Claudia Schmied möge mehr Geld bereitstellen. Grüne und FPÖ unterstützten den Antrag, die SPÖ war dagegen, worauf auch die ÖVP absprang. BZÖ-Mandatar Gerald Grosz kann sich auch vorstellen, für alle Pflichtschulen im südlichen Österreich einen Pflichtbesuch in Stübing einzuführen. In Graz preschte ÖVP-Klubobmann Christopher Drexler vor: Franz Voves solle seine angeblichen Wiener Kontakte besser nützen.
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CHRONOLOGIE
6. Februar 1962: Der Verein Österreichisches Freilichtmuseum wird genehmigt. Das Naturschutzgebiet Pfaffenkogel bei Stübing wird ausgewiesen. Im September beschließt die Bundesregierung unter Führung von Unterrichtsminister Heinrich Drimmel die Gründung, Trägerschaft und Förderung als "Bundesmuseum".
1970: Eröffnung durch Bundespräsident Franz Jonas (anfangs 32 Gebäude, heute fast 100).
1982: Bisheriger Besucherrekord (123.000).
1985/86: Umwandlung des Vereins in eine Stiftung. Im Kuratorium sind fünf Ministerien (Unterricht, Wissenschaft, Finanzen, Wirtschaft, Landwirtschaft) sowie alle neun Länder vertreten.
2004 bis heute: Neustart unter Museumsdirektor Egbert Pöttler. Neugestaltung des Eingangsbereichs. Viele museumspädagogische Impulse.



















