Vom Los der Arbeitslosen
325.000 Menschen in Österreich sind ohne Arbeit, davon mehr als 57.000 in der Steiermark. Vier Betroffene erzählen von ihrem Los.

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Tag der Arbeit - 57.516 Menschen in der Steiermark haben keine. Im Schatten des 1. Mai steht seit mehr als 20 Jahren der Tag der Arbeitslosen, der immer am 30. April begangen wird.
Begonnen hat es 1987 mit der Enthüllung des ersten Arbeitslosendenkmals vor dem Grazer Hauptbahnhof. "Damals", erinnert sich Gerd Kronheim, Obmann des Netzwerkes Beschäftigungsbetriebe Steiermark, "waren in Österreich 164.000 Menschen ohne Arbeit." Ende April 2010 sind österreichweit 245.000 ohne Job, im Vergleich zu 2009 ein leichter Rückgang von bis zu 10.000. Die 80.000 Personen in Schulungen (plus 17.000) eingerechnet, steigt die Zahl der Arbeitslosen auf 325.000.
Hingegen lässt sich die Situation bei den Langzeitbeschäftigungslosen als dramatisch bezeichnen; in der Steiermark stieg sie gegenüber 2009 um 40 Prozent an. Ihnen hilft oft nur noch der "zweite Arbeitsmarkt", eine Wiedereinstiegshilfe über sozialökonomische Betriebe.
Für die Kleine Zeitung haben sich vier Betroffene vor den Vorhang gewagt, um von ihrem Los zu erzählen. Sie eint der Wille und, trotz allem, Optimismus.
Nach "locker 100 Bewerbungen" eine Lehrstelle
Sarah Baumgartner, 15: Traumjob Bürokauffrau.
In zwei Wochen wird Sarah Baumgartner Teil einer neuen Firma sein und mit ihren Kollegen im Büroartikelhandel einsteigen. Für die 15-jährige Grazerin ein Traumjob. Bereits in der Hauptschule hat sie nach einigen Praktika beschlossen, Bürokauffrau zu werden. Die Sache ist aber die: Das Unternehmen ist eine Übungsfirma auf der Internetplattform www.act.at und den Sprung in die reale Arbeitswelt muss die Jugendliche erst schaffen. Seit vorigem September lernt sie ihren Beruf in der überbetrieblichen Lehrausbildung am Berufsförderungsinstitut (bfi); der Weg dorthin führte über "locker 100 Bewerbungen", ein paar Vorstellungsgespräche und viele Absagen, über die Sommerwerkstätte von Jugend am Werk und das Arbeitsmarktservice. "Man wird deprimiert und bekommt Ängste", sagt Sarah Baumgartner. Am bfi gibt es immerhin auch eine sozialpädagogische Betreuung. "Hier fühle ich mich gut und lerne viel." Hat die 15-Jährige die Lehre einmal abgeschlossen, geht das Bewerben von vorne los. Dass sie zu jung ist, hofft sie dann nicht mehr so oft zu hören. Bürokauffrau bleibt ihr Traumjob.
"Frau Kurzenberger, Sie sind uns zu adrett"
Friederike Kurzenberger, 39: Kuriose Begründung, warum man sie ablehnt.
Experten wissen: In der Arbeitswelt gibt es nicht viel, was es nicht gibt, und Friederike Kurzenberger ist dafür ein gutes Beispiel: Die gelernte Verkäuferin, die zuletzt zwölf Jahre als Assistentin der Geschäftsführung in einer Firma für Medizintechnik gearbeitet hatte, bekam in den acht Monaten ihrer Arbeitslosigkeit drei Mal folgende Begründung zu hören, warum man sie nicht beschäftigen wolle: "Es tut uns leid, aber für diese Arbeit sind Sie uns zu adrett." - "Heute kann ich darüber schmunzeln", sagt die 39-Jährige. Im Sommer des Vorjahres hat sie aus freien Stücken gekündigt, um sich weiterzuentwickeln. "Ich bin froh, dass man vom Arbeitsmarktservice so gut unterstützt wird." Bei nowa, Netzwerk für Berufsausbildung, aktualisiert sie Kenntnisse im Kurs "Update Officemanagement". Arbeit sei für sie äußerst wichtig. "Ich suche wieder eine Stelle im Bürobereich, mit Verantwortung."
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1. Mai: Arbeitslose im Mittelpunkt
Die Krise ist allgegenwärtig als Thema zum 1. Mai: Die Grünen luden am Freitag schon zu einer Grünen Aktion zum "Tag der Arbeitslosen", ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer appellierte ebenfalls am Freitag schon, dass Arbeit und Einkommen zum menschenwürdigen Überleben gehören. Er forderte "eine politische Führung in Bund und Land", die sich endlich ernsthaft um Absicherung und Gerechtigkeit kümmern solle.
Die KPÖ marschiert am Sonntagvormittag vom Südtirolerplatz in Graz zum Eisernen Tor, die SPÖ vom Künstlerhaus im Stadtpark zum Hauptplatz. SPÖ-Chef Franz Voves fordert "Verteilungsgerechtigkeit" und will der Krise "entschlossen begegnen". Er verwies auf die vielen Beschäftigungsmaßnahmen.
















