CCCP und Co: Fluch und Segen der Motto-Parties
Die "Russendisko" wird sieben. Über Segen und Fluch der Motto-Parties in Grazer Clubs.

Foto © kk
Jeder Zentimeter zählt. Wenn die slawischen Texte unterlegt mit harten Beats aus den Boxen dröhnen. Wenn sich der Schweißgeruch der hüpfenden Meute langsam mit der Wodka geschwängerten Luft mischt und man durch den aufsteigenden Dunst die Projektion der russischen Zeichentrickfilme schon fast nicht mehr sehen kann. Wenn in der Postgarage Russian Style Diskoteka am Programm steht, zählt jeder Zentimeter – auf der Tanzfläche. Denn das ist der Rhythmus, bei dem Mann und Frau einfach mit muss.
Genau heute vor sieben Jahren lud Lydia Bißmann zum ersten Mal zur russischen Mottoparty: "Weil im März die Postgarage neu eröffnet hat. Weil wir im Kulturhauptstadtjahr etwas Neues bieten wollten. Und weil St. Petersburg, eine Schwesternstadt von Graz, ihr 500-jähriges Jubiläum feierte." Das sollten wirklich genug Gründe sein, um den Krimsekt und die dazugehörigen Russland-Fans aus dem Keller zu holen. Dort hatte Bernhard Wolf, alias DJ Lupo nämlich schon vorher zu legendären russischen Privatparties geladen.
Aus dem Geheimtipp wurde in den vergangenen sieben Jahren längst ein Zugpferd der Postgarage, wie auch "Best of the 80s" oder "Worst of the 90s". Mottoparties boomen, Postgaragen-Chef Guido Granitz weiß warum: "Das ist die Musik, die jeder kennt, die ständig im Radio gespielt wird." Während für ein Nischenprogramm vielleicht 200 Gäste Eintritt bezahlen, kommen zu einer 80er Party eben 700 bis 800 Personen. "Man kann es sich in einer Stadt wie Graz als Veranstalter nicht leisten, nur Nischenprogramm zu bieten“, so Granitz. "Wir brauchen den Kommerz, um die Nische finanzieren zu können."
Eine Frage des Niveaus
Nicht nur die anhaltende Begeisterung der Grazer für die Motto-Parties ist ein Phänomen, auch das Publikum selbst überrascht. Im Studio 74 der Generalmusikdirektion tanzen 18 und 45-Jährige gemeinsam zwischen Lichtsäulen und kiffendem Mond. "Die Leute wollen dort feiern, wo viel los ist", erklärt Geschäftsführer Wolfgang Sucher. Sein Problem: "Die musikalische Qualität ist den meisten egal. Es wird immer schwerer, ein gewisses Niveau zu halten." Mit dem Versuch, eine Clubbing-Schiene mit alternativen Hits aus den 80ern aufzuziehen (electric friends), ist er deshalb gescheitert. p.p.c Leiterin Rosi Friedl ist überzeugt, dass man dennoch Neues etablieren kann, wie etwa High Voltage.
Aber heute gönnen wir uns noch einmal ein russisches Roulette im altbekannten Stil und hoffen, dass der verschwitzte Tanznachbar das einzige Wasserglas unter den sechs Wodkagläsern erwischt.
Features
Tipp
1. Mai
7 Jahre Russian Style Diskoteka ab 22 Uhr Postgarage
www.russian-style- diskoteka.at
















