Das schnelle Gold
Omas Schmuck muss weg: Warum ganz Graz derzeit dem Goldrausch verfallen ist – und dabei so manch teuren Fehler macht.

Foto © David BauerJochen Löschnigg, Grazer Edel-Juwelier
In der Grazer Schmiedgasse betritt eine Frau das Geschäft von Edel-Juwelier Jochen Löschnigg. Sie spricht kaum Deutsch. Ihre zwei kleinen Söhne jedoch legen hektisch eine Uhr auf den Tisch. Das Uhrenblatt, es könnte aus Gold sein. Sie will es verkaufen, etwas verdienen am Erbstück. Graz ist im Goldrausch.
Wohin man auch schaut, alles dreht sich um das kostbare Edelmetall. Kaum eine Zeitung ohne Inserat, kaum ein Straßenzug ohne Schild: Schnelles Geld für verkauftes Gold, so die Botschaften. Egal ob Münzen oder Schmuck, noch nie war Gold so viel wert wie in diesen Tagen.
In den letzten zehn Jahren verfünffachte sich der Ankauf von Gold in der Grazer Filiale der Ögussa, Österreichs größtem Händler im Bereich der Edelmetalle. Durch die Wirtschaftskrise stieg der Verkauf schlagartig noch mal um rund 20 Prozent an, wie das Dorotheum und der Juwelier Miksche bestätigen. ?1999 bekam man pro Kilo Goldbarren 8.500 Euro – heute sind es etwa 28.000“, berichtet Ögussa-Filialleiter Christian Zorec. Auch das veränderte Modebewusstsein bewegt Menschen dazu, ihr Gold zu verkaufen. Omas Klunker gefallen heute nicht mehr.
Goldener Wanderzirkus
Zahlreiche Goldhändler schlagen in den letzten Jahren immer wieder tageweise ihre Zelte – etwa in Hotelsälen in der Stadt – auf. Nicht alle zahlen faire Preise, warnt Ernst Stelzmann vom Münzshop der Steiermärkischen. Kleine Zeitung G7 machte den Test: Für einen Gold-Dukanten im Wert von 310 Euro gab es bei einem deutschen Händler, der Graz regelmäßig einen Besuch abstattet, nur 243 Euro. Der Grund liegt im so genannten Schmelzpreis: Die Händler kaufen kiloweise Schmuck und Münzen an, schmelzen diese dann ein und verkaufen das so gewonnene Gold weiter. Bezahlt wird der Tageskurs, abzüglich dem Gewinn der Händler. Stelzmann warnt: "Sammlerstücke sind oft ein Vielfaches des Schmelzpreises wert".
Vergleichen lohnt sich
Auch Traditionsgoldschmied Jochen Löschnigg bewirbt mittlerweile den Gold-Ankauf seines Hauses. Doch auch er warnt vor reißerischen Angeboten: "Wer Schmuck verkaufen will, sollte zum Fachmann gehen". Gemeint ist nicht jeder Juwelier – nur ein echter Goldschmied kann den Marktwert alter Schmuckstücke zuverlässig erkennen. Doch die Aussicht auf schnell verdientes Geld macht Menschen blind. Christian Zorez (Ögussa) und Ernst Stelzmann (Steiermärkische) erinnern daher an das Machtinstrument der Kunden: den Vergleich. Bei Münzen zahle es sich aus, Experten aufzusuchen. Jahrgänge, Zustand und Seltenheit spielen eine große Rolle – wer da einfach einschmelzen lässt, verzichtet oft auf Bares. Der Vergleich ist Gold wert.
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Tipps vom Experten
Bei Schmuck sollte man immer mehrere Angebote einholen, rät Ernst Stelzmann, Gold-Experte (im Bild). Firmen wie die Ögussa zahlen immer nur den Schmelzpreis, der vom Goldkurs bestimmt wird. Goldschmiede zahlen mehr, wenn es sich etwa um Raritäten oder besondere Stücke handelt.
Wer Münzen verkaufen will, der sollte sich stets an einen Experten wenden. In diesem Bereich sind die Preise besonders unterschiedlich, da Sammlerstücke und gut erhaltene Münzen extrem wertvoll sein können. Die Steiermärkische Sparkasse bietet den einzigen Münz-Shop in der Steiermark.
Dukaten, Philharmoniker und Goldbarren sollte man generell nur bei Banken und Sparkassen verkaufen, da diese damit handeln. Die Preise hängen fast ausschließlich vom Tageskurs ab.

















