Wir bauen eine Moschee
Die bosnischen Muslime planen ein Gebetshaus in Graz. Es soll ein Haus für alle werden – auch für Nicht-Muslime.

Foto © Erwin Scheriau
Freitags sind sie immer da: 500 bosnische Muslime, die zum Freitagsgebet in die Hans-Groß-Gasse 13 pilgern. Freitag für Freitag um 13 Uhr platzt das Gebetshaus aus allen Nähten.
120 Männer breiten draußen ihren Teppich aus, das tun sie auch bei Regen oder Schnee. Für Männer ist das gemeinsame Freitagsgebet Pflicht. Lautsprecher übertragen für die Draußenbleiber die Predigt des Imam, dazwischen beten sie selbst. Drinnen fällt Licht durchs Fenster, die Männer knien auf dem türkisen Teppich. Der Imam steht auf einer Kanzel, ein Thermometer hängt an der Wand. Prunkvoll ist das nicht. Eher provisorisch.
So leben 20.000 gläubige Muslime in Graz ihre Religion. Eine Moschee hat Graz nicht. Aber das könnte sich bald ändern, denn nun nehmen muslimische Gruppen das Projekt selbst in die Hand. Diese Woche preschte Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) vor und präsentierte Baupläne der türkischen Muslime, der größten Gruppe in Graz, für ein Projekt in der Lazarettgasse. Auch die rund 800 Familien starke bosnische Gemeinde hat ein Konzept im Ärmel.
Die Sammler
"Wir bauen unsere Moschee", sagt Emir Serdaravic, Chip-Entwickler, österreichischer Staatsbürger und Vizeobmann der bosnischen Gemeinde im Kulturkreis der Muslimanen. Das hat er zwar schon öfter gesagt. So konkret war das bisher aber noch nie.
Ein Kaufangebot für ein Grundstück in der Herrgottwiesgasse ist bereits beim Besitzer, derzeit wird es geprüft, seit einem Monat sammelt der Verein Geld.
Vakuf nennt sich die Spendentafel in der hinteren Ecke. Dort wird penibel notiert, welches Vereinsmitglied wie viel gespendet hat. Aktuelle Beträge: 300, 1000 oder 10.000 Euro zum Beispiel. "Wir haben schon mehr als 300.000 Euro gesammelt", sagt er. Wie man die Moschee finanzieren will? "Selbstgesteuert. Sobald der Grundstückskauf über die Bühne ist, erwarten wir mehr." Und: Wegschicken würde man Investoren nicht.
"Angepasst"
Architektonisch soll die Moschee "an Österreich angepasst sein". Also: ?Modern sein und trotzdem den Islam richtig darstellen“, betont Serdaravic. Inklusive Minarett. "Eine Moschee ohne Minarett ist wie eine Kirche ohne Glockenturm", sagt Mohammed Gowayed vom Islamischen Zentrum Graz.
Der bosnische Plan: "Ein Minarett kann ja auch dezent sein", sagt Serdaravic. Dass sich Moderne und Islam nicht widersprechen, das wird nicht nur gepredigt, sondern ist hier Alltag. Maeda Osmic Ahmic zum Beispiel ist verheiratet und trägt erst seit Kurzem ein Kopftuch. Sie ist Informatikerin bei einer großen Software-Firma, lebt seit 2002 in Österreich und seit 2007 in Graz, ist seit drei Jahren verheiratet und betet auch mit Männern im Gebetsraum. Oder Amila Mujagic, die als Religionspädagogin arbeitet, Vorträge organisiert und an gemeinsamen Schwimmausflügen teilnimmt. Was sie hier bei uns stört? Dass sie als Muslimin dauernd als unterdrückte Frau betrachtet wird. "Wenn eine Österreicherin mit zwei Kindern in die Straßenbahn einsteigt, dann lächeln sie alle an. Bei mir ist das nicht so."
"Unsere Moschee", sagt Serdaravic mit festem Blick, "würden wir für alle Muslime öffnen – und auch für Nicht-Muslime." Ein Zuhause sollen dort auch Kulturzentrum, Kindergarten, Sprachschule oder Infostand finden. "Das alles, was wir jetzt schon praktizieren", sagt er.
Nachsatz: "In der angeblichen Menschenrechtshauptstadt Graz, für die das ein notwendiges Zeichen wäre." Nicht nur freitags.


















