Helden ohne Tadel
Die Erste Allgemeine Verunsicherung in der Grazer Stadthalle: Über neue Helden, alte Hadern und eine Show, die niemanden verunsichert hat.
1 / 38
Konzerte, die danebengehen, sind ergiebiger. Ist doch der Journalist ein Wesen, das von Berufs wegen gerne raunzt. So betrachtet war der Auftritt der "Ersten Allgemeinen Verunsicherung" am Donnerstag in der Grazer Stadthalle - nach einem Probelauf in Feldbach der Auftakt zur aktuellen Tournee - ein hinterlistiger Anschlag auf den Autor. Denn die makellose Show, die Thomas Spitzer, Klaus Eber-hartinger & Co aufs Bühnenparkett legten, gehört zum Allerfeinsten, das derzeit in der Popkabarett-Küche angerührt wird.
Alle Zutaten passten: Der Sound in der schwer bespielbaren Stadthalle war optimal, die rund 3000 Zuhörer ein begeisterungsfähiges Publikum, das sich jede Wuchtel genießerisch auf der Zunge zergehen ließ; und die EAV selbst lieferte den eindrucksvollen Beweis dafür, dass Tiefgang und Breitenwirkung einander nicht ausschließen. Die Erklärung für den Erfolg ist recht einfach: Nach einer kommerziellen und künstlerischen Durststrecke hat Thomas Spitzer, der Spiritus rector des Unternehmens, wieder einen schwindelerregenden kreativen Trapezakt hingelegt, der sich in den Songs des neuen Albums "Neue Helden braucht das Land" niederschlug. Ins Rampenlicht gerückt werden diese messerscharfen Pop-Possen vom genialen Entertainer Klaus Eberhartinger, der mit galligem Humor und fit wie ein Turnschuh durch das zweistündige Programm fetzte. Da bekam jeder sein Fett ab: Dumme Menschen im Allgemeinen und dämliche Männer im speziellen, die halb garen Fernsehköche der Nation, die gierigen Banker, die scheinheilige Kirche. Die Salzsäure in den Texten wird vermischt mit Himbeersaft in der Performance. Aber auch hier eine wohltuende Reduktion. Das oft nervige Kasperl- und Kostümtheater der letzten Jahre hat einem perfekt inszenierten Musiktheater Platz gemacht.
Die Songs des neuen Albums standen im Mittelpunkt des Programms, die alten Hadern wurden im neuen Kleid serviert. Der Banküberfall, der Kerkermeister und vor allem der Märchenprinz, der um 20 Jahre älter geworden ist und den nur noch Stützkorsett und Viagra aufrecht halten.
Fazit des Abends: Leider gar nichts zu raunzen über diese Helden von der EAV.


















