Turbulentes Liebesdrama im Ehebett
Mit der Grazer Erstaufführung von "La scala di seta" ("Die seidene Leiter") setzt der Musikverein für Steiermark seinen Einsatz für das Frühwerk von Gioachino Rossini fort.
Die brillante Ouvertüre kennen viele Musikfreunde, die dazugehörige Oper jedoch nur wenige. Kein Wunder, war sie doch in diesem Jahrtausend nur in den Rossini-Hochburgen Pesaro und Bad Wildbad sowie in der Stadt der Uraufführung, in Venedig, zu sehen. 2002 im Teatro Malibran, weil das Teatro San Moisè, in dem "La scala di seta" am 9. Mai 1812 erstmals über die Bühne ging, nicht mehr existiert.
Nun bricht der Musikverein für Steiermark mit drei Aufführungen eine Lanze für das Frühwerk von Gioachino Rossini. In "La scala di seta" lässt der 20-jährige Komponist bereits viele Züge späterer Meisterschaft erkennen. Dazu gehören der Einsatz konzertierender Holzbläser und die Bevorzugung von (fünf) Ensemblestücken gegenüber den (vier) Soloarien. Die zum Teil einen hohen Schwierigkeitsgrad aufweisen. Dorvil, der heimliche Ehemann der Heldin dieses turbulenten Einakters, muss tenorale Trapezakte absolvieren und vier Mal das hohe C erklimmen: Kirlianit Cortes meisterte diese heikle Aufgabe, trotz einiger Abstriche, respektabel. Seine heimliche Angetraute Giulia, die vier Männer um den Finger wickelt, stattet Trine Lund mit etwas kühlem Sopran aus. Ihrer Cousine Lucilla leiht Michaela Adamcová einen beweglichen Mezzo. Als genasführter Vormund Dormont macht David McShane gute Figur. Moritz Gogg lässt als Heiratskandidat Blansac einen kräftigen Bariton hören und in der zentralen Dienerrolle des Germano wartet David Park mit satten Parlandokünsten auf.
Straffe Tempi
Farbenreich und temperamentvoll musiziert das L'Orfeo Barockorchester unter Michi Gaigg, die mit straffen Tempi das Geschehen vorantreibt, es aber etwas an Leichtigkeit fehlen lässt.
Im riesigen Bett, das Frieder Klein inmitten des Publikums als Spielstätte in den Kammermusiksaal gestellt hat, dessen reales Fenster in sein Bühnenbild eingebaut wird, hat Thomas Mittmann das unterhaltsame Liebesdrama so geradlinig in Szene gesetzt, dass es auch ohne Übertitel leicht zu verstehen ist.
"La scala di seta" von Gioachino Rossini im Kammermusiksaal des Grazer Congress: Noch heute, 19.45 bis 21.30 Uhr.
Karten: Tel. (0 31 6) 82 24 55.
















