Hypo-Steiermark-Prozess: 40 Millionen und zwei "Würschtel"
Auftakt im steirischen Hypo-Prozess mit verbalen Rempeleien. Es geht um 40,5 Millionen Euro Schaden - die nur die "Spitze des Eisberges" sind. Zwei Ex-Manager verantworten Vorwurf der Untreue.

Foto © FuchsDie Angeklagten vor Gericht
Es hat die Justiz Mühe gekostet, diesen Prozess auf die Beine zu stellen. Nicht nur ein dreieinhalb Jahre dauerndes Ermittlungsverfahren. Das geht bis hin zur Auswahl der Schöffen: "Wir hatten 17 Absagen, das gab es noch nie", erzählt der Vorsitzende Richter Helmut Wlasak. Die zwei Schöffen und zwei Ersatzschöffen, die schließlich gefunden wurden, sollten sich bis in den Sommer hinein nichts anderes mehr vornehmen.
"Wurden die Schöffen gefragt, ob sie eine Geschäftsbeziehung zur Hypo-Bank haben?", kommt gleich die erste verbale Rempelei von der Verteidigerbank. "Meinen S' das ernst?", fragt Richter Wlasak. - "Nur eine Frage..." Beide Angeklagten, der Ex-Geschäftsführer Peter S. und sein Prokurist Franz F. fühlen sich nicht schuldig.
"Geht um sehr viel Geld"
"Es geht um sehr viel", erklärt Staatsanwalt Wolfgang Redtenbacher in seinem Vortrag. "Es geht um das Verbrechen der Untreue. Es geht um viel Geld, es geht auch um Ihr Geld", wendet er sich an den Saal. 40,5 Millionen Euro betrage der Schaden aus den von der Anklage erfassten Leasinggeschäften der Angeklagten zum Schaden der Hypobank. Und die gehöre ja zu 25 Prozent dem Land. "Es geht mit Blick auf die Kärntner Hypo auch um klare Grenzen und die Verantwortung von Wirtschaftstreibenden."
Dabei sei dieser Schaden nur die "Spitze des Eisberges". Er betrage tatsächlich bis zu 201 Millionen Euro. Über eine Stunde lang erklärt Redtenbacher frei sprechend anhand einer Power-Point-Präsentation, wie das Geld über kroatische Vermittler auf den Balkan geflossen und versickert ist. Mehr als 8500 Verträge wurden abgeschlossen. Leasingobjekt war neben Autos oder gar Fenstern zum Beispiel auch die Jacht "Black Money I".
Bis zu 49 Raten blieben bei einzelnen Geschäften aus, während die Provisionen an die Vermittler weiterflossen. "Die Angeklagten wollten den Markt abzocken und wurden selbst abgezockt", konstatiert der Staatsanwalt. Auch als im Jahr 2002 immer mehr Raten ausblieben, wurde das Geld, das von der Hypo in die Geschäfte gepumpt wurde, um 194 Prozent auf 113 Millionen gesteigert, sagt der Ankläger. Am Ende - 2006 - wogen allein die Listen der säumigen Zahler, die gemahnt werden sollten, knapp fünf Kilo.
"Der Kern dieses Verfahrens ist: In Wirklichkeit durften diese Geschäfte nicht abgeschlossen werden." Die Verantwortung der Angeklagten sei grotesk: "Es war ein gutes Geschäft, und wenn es keines war, waren die anderen schuld."
An diesem Punkt hakt Helmut Christandl, der Verteidiger des Ex-Geschäftsführers Peter S., ein: "Mein Mandant hatte den Auftrag, den Ostmarkt aufzuarbeiten und Volumen zu bringen. Das Risiko war allen bewusst." Es sei nur um eines gegangen: "Quote, Quote, Quote." Solche grenzüberschreitenden "Cross-Border-Geschäfte" seien nun einmal risikoreich. Wo seien denn die Vorstände, der Aufsichtsrat, die Konzernrevision gewesen, wo die Finanzmarktaufsicht oder der Landesrechnungshof? "Nichts hören, nichts sehen, nichts reden" sei die Devise gewesen.
Gegenangriff
Sein Mandant habe keinen Schädigungsvorsatz gehabt, betont Christandl. Dann greift er frontal den Staatsanwalt und Gutachter Fritz Kleiner an. Die Anklage sei mangelhaft, den Gutachter, der in Geschäftsbeziehung zur Hypo stehe, habe er - leider erfolglos - abgelehnt. Jetzt müsse man von vorne anfangen und "alles durchgehen". "Ein Machtkartell macht Geschäfte, zwei arme Würschtel klescht man auf!" Ähnlich sieht es Heinz Bauer, der Prokurist Franz F. vertritt. Der Staatsanwalt habe ein "Eigeninteresse", denn nach jahrelangen Ermittlungen und immensen Gutachterkosten sei etwas anderes als eine Anklage kaum zu verantworten gewesen. Dafür seien "Zahlen ins richtige Licht gerückt worden". Der Staatsanwalt sei Ermittlungsbehörde und Partei zugleich. Auch Bauer verweist auf die Kontrollinstanzen, die nie Beanstandungen gehabt hätten. "Wir müssen nun 183 Verträge meines Mandanten einzeln durchforsten."
Am Dienstag beginnt Richter Helmut Wlasak mit der Einvernahme der Beschuldigten. Der Prozess wird wohl bis Juli dauern.















